Samer’s weekly kaleidoscope (1)

2016-06-02_01Mein syrischer Freund Samer wohnt seit Februar in unserem kleinen Ort. Er fotografiert leidenschaftlich gerne und gut und als ich ihn gefragt habe, ob er Fotos von meinem Garten machen möchte, hat er sofort zugesagt. Und so wird es ab nun einmal in der Woche einen Blick auf unseren Garten aus seiner Perspektive geben.

Selber wird man irgendwann einmal „betriebsblind“ und fotografiert immer dieselben Dinge aus immer denselbern Perspektiven. Ich freue mich, nun meinen Garten einmal in der Woche aus Samers Blickwinkel zeigen zu können.

2016-06-02_02Himmelsblick

2016-06-02_03Verborgene Schönheit

2016-06-02_05Strahlende Schönheit

2016-06-02_06Rosengirlande

2016-06-02_07Pappel mit Stilleben

2016-06-02_08An der Quelle

2016-06-02_09Hot in the summer

2016-06-02_10Out of the jungle

2016-06-02_11Leaves are falling like snow in white and pink

Danke, Samer, für die wunderschönen Fotos!

Tomatensorten: Yellow Canary

Die Yellow Canary ist eine sehr kleinwüchsige und hübsche Buschtomate.

YC_02wzVon einer kleinen Pflanze kann man natürlich auch keine allzu großen Früchte erwarten: So sind die runden, gelben Früchte in etwas so groß wie eine Ein-Euro-Münze. Vom Ansatz her sind die meisten reifen Früchte etwas dunkler, ins dezent Bräunliche gehend, geflammt.

YC_01wzÜber 20 bis 25 cm Höhe kommt die Yellow Canary nicht hinaus. Sie wächst erst sehr gedrungen und aufrecht und ähnelt wie die Minibel einem kleinen Bäumchen.

YC_03wzWenn schon viel Fruchtansatz an der Pflanze ist, kippt sie – wohl aufgrund des Gewichts – recht gerne zur Seite. Und so schieben sich dann mehrere Triebe in die Höhe und die Pflanze wird insgesamt bis zum Saisonende hin immer breiter.

YC_06wzIhre Früchte versteckt sie gerne unter dem dicht wachsenden Blattwerk. YC_04wzMan muss schon genau schauen, um alle zu finden.YC_05wzAusgeizen muss man sie nicht. Ich entferne aber ab und zu einige der Deckblätter, damit an die versteckten Früchte mehr Sonne kommt.

Ihre Vorteile liegen ganz klar nicht im Geschmack. Der ist recht durchschnittlich „tomatig“, nicht schlecht, aber auch nicht umwerfend. Aber die Yellow Canary ist sehr, sehr genügsan. Ich würde sagen, von all den kleinwüchsigen Tomaten bzw. Ampeltomaten, die ich in unseren Terrassenkisterln ziehe, ist sie diejenige, die mit dem engsten Raum auskommt. Ihre Schale eher fest, was zur Folge hat, dass die Früchte auch bei extremen Wetterwechseln nicht aufplatzen. Von der Braunfäule zeigt sie sich in den meisten Jahren recht unbeeindruckt. Somit ist sie trotz des durchschnittlichen Geschmacks zu empfehlen!

YC_07wzTrotz ihres Zwergenwuchses beeindruckt sie mit einem üppigen Fruchtansatz und trägt unermüdlich bis zum Frost. Die reifen Früchte sind auch nach der Ernte relativ lange lagerfähig.

Tja, man sollte die Kleinen eben nicht unterschätzen!

Tomatenplanung 2016

Ich musste tragischerweise feststellen: Der Garten ist wieder nicht gewachsen!

Während die Tomatensorten sich in ihren Aufbewahrungsboxen auf nahezu wundersame Weise vermehren, bleibt das Platzangebot für die paradiesischen Früchte immer gleich groß. So steigt meine Bedrängnis Jahr für Jahr, wenn es zum entscheidenden Auswahlverfahren kommt: Wer darf ans Licht und an die Luft in dieser Saison?

2016-03-12wz

Striped Roman – etwas aus der Art geschlagen

Dieses Jahr ließ ich einfach mein Gefühl entscheiden und habe vor zwei Wochen schon die Ampeltomaten ausgesät. Nachdem sie nun alle mehr oder weniger brav geschlüpft sind und neugierig aus dem Fenster schauen, ist heute der große Rest der Tomaten für dieses Jahr in die Erde gewandert.

Letztendlich habe ich folgende Sorten für das Gartenjahr 2016 ausgewählt:

Ampeltomaten
Ampeltomate rosa
Gelbe Johannisbeertomate
Green Sausage
Himbeerrose
Minibel
Sweet Pea
Tumbling Tom Red
Tumbling Tom Yellow
Yellow Canary

Stab-/Fleisch- und Cocktailtomaten
Ananas
Anna Russian
Berner Rosen
Black Cherry
Blondköpfchen
Blueberry
De Berao black
Die kleinen Mohren
Gary Ibsen’s Gold
German Gold
Goldita
Greenwich
Indigo Rose
Isis Candy
Lämpchen
Mallorquinische Hängetomate
Mexikanische Honigtomate
Montfavet F1
Moskovskij Delikates
Negra de la Puebla
Noire de Russe
Ochsenherz orange
Ranktomate von Carnica
Roma
Schlesische Himbeere
Striped Roman
Striped Turkish
Sun Drop
Tangella
Tigerella
Togo Trefle
Valencia
Weißer Pfirsich
White Queen
Zahnradtomate

Zum allerersten Mal ist auch eine F1-Hybride unter den ausgewählten Sorten. Ich habe diese Samen geschenkt bekommen und einige Jahre gezögert, sie anzubauen. Nun siegt doch die Neugier. Angeblich ist sie „resistent“ gegen Braunfäule und alle möglichen anderen Tomatenkrankheiten. Mal schauen, ob das stimmt! (Ich glaube, ehrlich gesagt, nicht daran.)

Habt ihr schon eure Tomatenauswahl getroffen?

Tomatensorten: Gary Ibsen’s Gold

Die Sorte hat eine interessante Geschichte: Sie wurde 40 Jahre lang von einem Farmer in West Virginia gezogen, der sie seinerseits von seinem Onkel bekommen hatte. Dann sandte der Farmer einige Samen an den Züchter Gary Ibsen, der diese schöne Sorte weiter vermehrte. Ibsen war nach ein paar Jahren so begeistert von dieser Paradeisersorte, dass er meinte, das sei „my kind of gold“. Seine Frau schlug dann vor, die bis dahin unbenante Sorte Gary Ibsen’s Gold zu nennen. (Quelle: tomatofest)

GIG_05wzDie gold-orange leuchtenden Früchte dieser Fleischtomate sind nur schwach gerippt und haben einen Durchmesser zwischen 4 – 9 cm bei einer Höhe von durchschnittlich 5 cm.

GIG_01wzMansche wachsen ein wenig unförmig.GIG_02wzDie Pflanzen werden ca. 2 m hoch und sind bei mir nicht ganz so gesund wie manch andere Fleischtomaten. Bei Anzeichen von Braunfäule habe ich die befallenen Blätter entfernt, die Pflanzen sind weitergewachsen und haben zum Glück auch noch getragen. Meiner Erfahrung nach trät die Gary Ibsen’s Gold eher spät. Daher fällt der Ertrag nicht allzu groß aus.

Reife Früchte sind sehr cremig und saftig und äußerst aromatisch. Geeignet für Salate, für Tomaten mit Mozzarella und auch sehr gut in feinen Soßen oder als cremige Tomatensuppe. Das ergibt auch eine wunderschöne Farbe im Teller!

GIG_03wz Ein weiterer Nachteil neben der späten Reife: Die Tomaten platzen recht leicht auf. Bei mir sind auch die Früchte in den geschützter stehenden Töpfen an der südseitigen Hauswand fast alle aufgeplatzt.  GIG_04wzDer Geschmack macht die Nachteile wett: Das Warten auf diese reifen Paradeiser lohnt sich!

Tomatenjahr 2015

Man müsste meinen, das Jahr 2015 war sensationell für Tomaten: heiß, trocken – und das über viele, viele Wochen.

Ganz so war es leider nicht.Im Frühling wuchsen sie gut heran, bekamen kräftige Stängel und durften die meiste Zeit schon an der frischen Luft verbringen.

2015-12-01_03wzSchon Mitte Mai zeigten sich die ersten Früchte an den kleinwüchsigen Sorten wie zB Himbeerrose, Johannisbeertomaten oder auch Minibel. So kamen wir schon recht früh in den Genuss sonnengereifter Tomaten.

2015-12-01_01wzDie Pflanzen wuchsen prächtig und eine reiche Ernte zeichnete sich ab.

2015-12-01_05wzBis die große HItzewelle kam: Wochenlang hatte es Temperaturen um die 38 Grad. Lähmend. Die Tomatenpflanzen auf der überdachten Terrasse mussten noch mehr ertragen, da sich dort die Hitze gestaut hat. Die Blüten sind abgefallen, die Blätter verbrannt, die Pflanzen waren sehr mitgenommen. Nicht viel besser ist es den Tomatenpflanzen an der Südseite der weißen Hauswand ergangen. Normalerweise lieben sie die gespeicherte Hitze im Rücken. Dieses Jahr war es scheinbar zu viel: Einige Pflanzen gingen ein und viele Früchte bekamen einen fürchterlichen Sonnenbrand. Ja, nicht lachen! Auch Tomaten haben empfindliche Haut und bekommen braune, verbrannte Stellen, wenn sie zu lange zu großer Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Im Gegensatz zu uns Menschen, können sie sich aber nicht mit Sonnencreme dagegen schützen.

Wesentlich besser erging es den frei im Gemüsegarten ausgepflanzten Paradeiserstauden. Sie schienen mit der Hitze recht gut zurecht zu kommen.

Nachdem alljährlich um die 75 Tomatenpflanzen hier im Garten leben, konnte ich mich über einen Mangel an roten, gelben, orangen, braunen, grünen, schwarzen und gestreiften Früchten trotzdem nicht beklagen. Trotz üppiger Tomatenschlemmereien wanderten auch um die 30 Gläser Tomatensoße und einge Gläser Letschobasis in den Vorratskeller.

2015-12-01_02wzWie immer Gold wert waren die Tomaten in den Terrassenkisterln. Sie trugen früh, überaus viel und die meisten haben die lange Hitzeperiode ganz gut überstanden.

2015-12-01_06wzWas nun aus diesem Sommer lernen?
Im Zuge des im Gange befindlichen Klimawandels sollte ich vielleicht mehr andere Standplätze für Paradeiser in Betracht ziehen. So gediehen interessanterweise die beiden Moskosvkij Delikates-Pflanzen an der Nordseite unseres Grundstücks mit sehr viel Schatten wesentlich besser. Vielleicht sollte ich auch auf der sich sehr erhitzenden Terrasse überhaupt keine Paradeiser mehr anbauen? Nein, das werde ich nicht machen. Zu schön sieht es aus, wenn einem die Tomaten wie Weintrauben von oben in den Mund wachsen!

2015-12-01_07wzAber ich werde andenken, auf der Terrasse und vor den Südwänden in ein paar Töpfen versuchsweise etwas anderes zu pflanzen. Vielleicht Spaghettibohnen oder Malabarspinat, einfach mal zum Ausprobieren.

2015-12-01_04wzÜbrigens haben auch die Chili- und Paprikapflanzen während der langen Hitzewelle die sehr, sehr viele Blüten abgeworfen.

Als es dann kühler wurde und die Pflanzen sich langsam zu erholen begannen, bekamen sie noch einmal einen regelrechten Wachstumsschub. Leider aber kam dann Anfang Oktober für genau zwei Nächte Frost, sodass ihre Anstrengungen vergebens waren.

Welche Erfahrungen habt ihr mit der großen Hitzewelle in Bezug auf Tomaten gemacht?

Vorübergehend umgezogen

Wie habt ihr die große, lange Hitzewelle im Sommer überstanden? Bei uns hatte es einige Wochen fast täglich um die 37, 38 Grad. Das Haus heizte sich mit der Zeit dermaßen auf, dass es drinnen nicht mehr auszuhalten war, nicht einmal im Wohnkeller. Auch die Nacht brachte keine Abkühlung – bei 25 Grad und null-Luftbewegung, wie soll da auch etwas abkühlen?

Wir sind nach und nach immer weiter nach hinten gewandert in den Garten. Auf der überdachten Terrasse, die normalerweise unser Outdoor-Wohn- und Esszimmer ist, war es nicht mehr auszuhalten. Also haben wir als erstes das Esszimmer nach hinten unter die großen Bäume verlegt. 2015-09-08_04wzEine LED-Lichterkette, die noch vom großen Gartenfest montiert war, hat als Beleutung gedient. Abends war das Esszimmer ein recht romantisches Plätzchen!

Da Kochen in der kleinen aufgeheizten Küche eine unglaublich schweißtreibende Angelegenheit war, bastelten wir eine äußerst provisorische Outdoor-Küche.2015-09-08_01wzEine alte Werkplatte auf zwei Stehern, eine Kochplatte, eine verschließbare Plastikbox für große Töpfe und Pfannen und ein kleines Kasterl für Kleingeschirr und ein paar grundlegende Lebensmittel wie Öl, Essig, Salz, Nudeln, Gewürze etc. Abgewaschen wurde gleich daneben in einer Plastikwanne. Ein langes wasserfestes Stromkabel hatten wir ja für das Fest vorher schon durch den ganzen Gemüsegarten verlegt, hier wurden die Kochplatte und die LED-Beleuchtung zum Kochen angeschlossen. Wasseranschluss gibt es sowieso in mehreren Gartenbereichen. Endlich Kochen ohne in Sekundenschnelle einen Schweißausbruch zu erleiden!

Natürlich gewinnt unsere „Outdoor-Küche“ keinen Schönheitspreis, aber sie hat ihren Zweck gut erfüllt und auf diese Weise konnten wir einmal testen, was wir wirklich draußen brauchen, um sinnvoll kochen zu können. Erstaunlich wenig! Vielleicht bauen wir uns in den kommenden Jahren einmal eine dauerhafte Outdoorküche im rückwärtigen Gartenbereich.

Und nach dem Essen?

Entspannen in der Badewanne, die noch nie so oft und so lang benützt wurde wie in diesem Sommer!2015-09-08_05wzSie hat ein kleines Deck aus einer alten Palette und ein paar Lärchenbrettern bekommen, damit die Füße schön sauber bleiben beim Rein- und Rauskraxeln. Und ein paar Kerzen für die Romantik am späteren Abend!

Und wenn man ganz und gar faul sein möchte? Wir haben eine Weile überlegt, ob wir das machen sollen. Aber mein Schatz hatte gerade in den heißen Wochen Urlaub, den wir zuhause verbracht haben. Also, ja. Kurzerhand haben wir noch ein langes Kabel besorgt und auch quasi das Wohnzimmer nach draußen verlegt, genauer gesagt, an den Teich.2015-09-08_02wzFernsehgeräte sind heutzutage glücklicherweise ganz leicht, sodass es schnell raus- und reingetragen werden konnte. Natürlich wollten wir keine Nachbarn mit Lärm belästigen und haben Kopfhörer am Fernseher angeschlossen.

Da sich mit der Zeit auch unser Schlafzimmer für mich unterträglich aufgeheizt hatte, habe ich es vorgezogen, einige Nächte in der Hängematte unter der großen Pappel zu verbringen. 2015-09-08_03wzIch habe wesentlich besser geschlafen als im heißen Schlafzimmer.

Der Garten hatte somit einige Wochen lang noch viele Zusatzfunktionen! Und ich bin echt dankbar für paar großen, alten Bäume, die wir im Garten haben und die in solch heißen Wochen ein wenig Schatten spenden.

Und: Wie habt ihr die heißen Wochen überstanden?

 

Ein PS noch: Bitte seid nicht böse, wenn ich derzeit nicht zum Kommentieren komme, ich engagiere mich ein wenig dabei, Flüchtlingen, die in Wien landen, weiter zu helfen.
In diesem Zusammenhang möchte ich nochmal auf meinen Beitrag zu diesem Thema hinweisen (Refugees welcome – Asyl im Gemüsegarten).

Blogger gegen Fremdenhass: Refugees welcome – Asyl im Gemüsegarten

Mein Gemüsegarten ist ein Zuwanderungsland ersten Ranges.

Meine ganz besonderen Lieblinge, die Tomaten, sind Nachfahren der einst aus Mexiko eingewanderten tomatl. Zum Glück hatten sie es damals noch leichter und es wurden ihnen keine Steine in den Weg gelegt, als sie ihre Verwandtschaft nachgeholt haben: Die vielseitig verwendbaren Paprikas, Chilis, die vielen Gerichten erst ihre richtige Würze verleihen und die säuerlichen Tomatillos, ohne die wir auf Salsa verde verzichten müssten – alle aus Mittelamerika.

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Tomatensorten: Green Sausage, Tangella, Minibel, Striped Turkish, Himbeerrose, Tumbling Tom, Gelbe von Thun, Striped Roman; Gurkensorten: Lemberger Gurke, Marketmore; Paprikasorten: Neusiedler Ideal, Purple Beauty

Ebenfalls aus Mittelamerika kommt der Hörnchenkürbis, auch Inkagurke genannt. Es gibt nicht viele dieser Art in unserem Breitengraden. Nichtsdestotrotz werden ihre Qualitäten von meinen Gartenbesuchern sehr geschätzt und rufen oft ein erstauntes „Mmmhh“ hervor.

Ein Einwanderer schafft es zumindest im Herbst auf alle Teller: der Kürbis. Auch seine Wurzeln liegen in Mittelamerika und selbstverständlich wohnt auch er hier.

Beim Zucchini wird es recht verworren: Er hat ganz zu Anfang Vorfahren aus Mexiko, dann wird die Familiengeschichte kompliziert: Es scheint einen Familienzweig in Nordamerika zu geben und einen in Südeuropa. Von welcher Linie die bei uns zugewanderten Zucchini stammen, ist umstritten. Das ist aber ohnehin egal. Denn in beinahe jedem Gemüsegarten hat zumindest ein Nachfahre Asyl bekommen.

2015-08-25_09wzDie allseits beliebten und bekannten Karotten, man sieht es ihnen nicht an, aber auch sind Einwanderer. Es gibt sie in vielen Farben: Die weißen kommen aus dem Mittelmeerraum, die gelben und violetten und rötlichen stammen gar aus dem fernen Afghanistan, einem Land, dessen Einwanderer heutzutage vielfach auf Ablehnung stoßen. Da steckt einfach Unwissenheit dahinter. Wir lieben sie doch alle, die Karotten, sie gehören zum beliebtesten Gemüse der Mitteleuropäer. Dabei sind sie nichts weiter als eine Kreuzung dieser drei Formen. Multi-Kulti mag anscheinend doch jeder.

Genauso bunt kommt der Rettich daher, es gibt rote, orange, gelbe, weiße und sogar schwarze. Ein Vorderasiate, kaum zu glauben. Wo er doch in so gut wie jedem Biergarten im Sommer mit auf den Tisch kommt.

2015-08-25_06wzEin eindeutig sehr exotischer Zuwanderer ist der Malabarspinat. Ein waschechter Inder.

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Malabarspinat

Er begeistert mit besonderen Qualitäten, man muss sie nur erkennen und fördern, so wie man das auch bei Menschen machen sollte. Bietet man ihm ein wenig Raum zum in die Höhe klettern, liefert er wahnsinnig viel Ertrag, der sich zu köstlichen Speisen verarbeiten lässt.

Ohne dass es vielen Gärtnern (und Essern) bewusst ist, haben sie mit der Gurke den personifizierten Weltenbürger in der Schüssel. Unter „Cucumis“ wird die ganze Kürbisfamilie zusammengefasst, also Kürbisse, Melonen, Zucchini und Gurken. Daher liegt die Vermutung nahe, dass auch die familiären Wurzeln der Gurke irgendwo in Mittelamerika liegen. Jedoch wurden ca. 10.000 Jahre alte Gurkensamen im Grenzgebiet zwischen Thailand und Burma gefunden. Ebenso alte Samen gibt es in Nordamerika. Und auch in Indien und Ägypten gibt es seit vielen tausend Jahren Gurken. In welche Schublade soll man also die Gurke stecken? Eine Zwickmühle für alle Dogmatiker, die dennoch begeistert zwei mal in der Woche ihren Gurkensalat oder zum Gegrillten gern mal ein Tsatsiki essen.

Aber die Bohnen, die sind soch bestimmt hier ansäßg, haben eine rein mitteleuropäische Linie? Schwer daneben, kann ich da nur sagen. Der Ursprung der Gartenbohne, der Phaesolus vulgaris, liegt in Amerika.

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Blauhilde, eine der beliebtesten Stangenbohnen

Woher das von mir geliebte Eiskraut, auch Eisperlensalat genannt, kommt? Darüber habe ich mir ehrlich noch keine Gedanken gemacht!

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Eiskraut, auch Eisperlensalat (Mesembryanthemum crystallinum)

Ich mag es einfach. Und zwar weil es so anders ist. In einer großen Schüssel mit Blattsalaten, deren Vorfahren übrigens zum Großteil aus dem Mittelmeerraum stammen, sticht es mit seinen knackigen Qualitäten besonders hervor. Sozusagen die Würze im Einheitsbrei.

Ich gewähre auch einigen anderen Geschöpfen aus dem Mittelmeergebiet Asyl hier im Garten, ganz egal, ob sie nun Wirtschaftsflüchtlinge sind oder nicht: Sie sind hier und sie bereichern mit ihren Fähigkeiten unser kulinarisches Erleben. Der vielseitige und bunte Mangold, eine Weiterzüchtung des wild an den Mittelmeerstränden wachsenden Mangolds. Der robuste Hirschhornwegerich, auch er von den Küstengebieten Südeuropas einst zu uns gekommen. Und viele, viele mehr.

Und wenn wir schon dabei sind: Einen Türken habe ich auch. Die Türkische Rauke, ein sehr freundliches Gewächs, zuverlässig, hart im Nehmen, aufregend am Gaumen.

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Türkische Rauke

Aber da ist dann Schluss, oder? Schließlich gibt es kulturelle Unterschiede, unüberbrückbare, oder?
Nein.

Vor Jahren schon kam die ostasiatische Speisechrysantheme hier in den Garten, Schlepper haben sie gebracht. Sie kam und ist geblieben. Hartnäckig. Und gar nicht mal unauffällig mit ihren gelben und weißen Blüten. Und wisst ihr was? Sie schmeckt uns, wir lieben sie inzwischen!

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Speisechrysantheme

Ein weiterer Asiat wohnt jeden Herbst bei uns: Pak Choi. Er wohnt aber nur kurz da, dann wird er ob seiner Beliebtheit einfach verschlungen.

Und ich wette, dieser Geselle aus den weiten Steppen Zentralasiens findet sich in vielen Gärten, ganz sicher aber in jeder Küche: der Knoblauch. Unabkömmlich ist er geworden hier, kaum vorzustellen ein Mitteleuropa ohne seine Würze!

Ihr merkt, in unserem Gemüsegarten wohnt ein unglaubliches Völkergemisch, dabei habe ich noch lange nicht alle Vertreter der einzelnen Nationen aufgezählt. Und wisst ihr was? Sie harmonieren gut miteinander.

Wir Gemüsegärtner schätzen sie sehr, diese Vielfalt und nehmen mit Freude, Neugier und oft auch Erstaunen ob der verborgenen Talente Neuankömmlinge in unsere Gärten auf.

Ich wünsche mir, dass die Politik genauso wie der Gaumen, die Vielfalt positiv sieht, die Talente der einzelnen zu schätzen lernt und sich nicht von der Angst vor „Magenverstimmungen“ davon abschrecken lässt, unseren „Garten Europa“ für diese Vielfalt zu öffnen.

Die Welt sollte einfach ein bisschen mehr wie ein Gemüsegarten sein.

 

Durch Anja (von ihr habe ich auch Teil eins des Titels „Blogger gegen Fremdenhass“ übernommen, weils einfach so gut passt) bin ich auf den Blogbeitrag Deutschland, was ist los mit dir? von texterella.de gestoßen.

Da hier in Österreich leider die Situation genauso schlimm ist, im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen Kinder, Frauen und alte Menschen seit Wochen auf dem nackten Boden im Freien schlafen müssen und sich Bürger massiv gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in ihren Heimatgemeinden wehren, will ich hier ein Statement abgeben für die Vielfalt und gegen die Angst vor dem vermeintlich Fremden.

 

Edit: Kurz nach der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags wurde ich erst auf die Aktion Blogger für Flüchtlinge aufmerksam. Eine gute Möglichkeit, selber etwas beizutragen. Aus vielen kleinen Tropfen wird auch ein Meer.