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Schnäppchenjäger aufgepasst: Farfalle mit Löwenzahn

Auf Schnäppchenjagd zu sein, ist für manche ja quasi Lebensinhalt heutzutage. Warum nicht mal im eigenen Rasen auf Schnäppchenjagd gehen? Die Gratiszutat für ein köstliches Essen, noch dazu mit einer schier unglaublichen Menge an gesunden Inhaltsstoffen, wartet dort auf euch! Aber nur dann, wenn ihr den Rasen Wiese sein lässt.

Hier ein Rezept mit dem wunderbaren Löwenzahn, der in unserem Garten herzlich willkommen ist:

Farfalle mit Löwenzahn

Zutaten:
Farfalle
Löwenzahnblätter (Viele! Sie fallen beim Kochen sehr zusammen.)
eine große Zwiebel
Weißwein
Schlagobers
Creme fraiche
Salz
Pfeffer
geriebener Parmesan
Olivenöl
Gemüsebrühe

Zubereitung:
Die Farfalle bissfest kochen.
Die Löwenzahnblätter waschen und anschließend in ca. 2 cm dünne Streifen schneiden.
Die Zwiebel fein würfeln und in Olivenöl glasig andünsten. Mit Gemüsebrühe und ein wenig Weißwein aufgießen. Sanft köcheln lassen. Schlagobers und Creme fraiche unterrühren. Mit Salz und Pfeffer würzen.
Eine Minute vor Ende der Kochzeit die geschnittenen Löwenzahnblätter in den Topf zu den Farfalle geben. Abseihen und auf die Teller geben.
Das Farfalle-Löwenzahn-Gemisch mit der Soße anrichten und mit Parmesan bestreuen.

Entweder als Solo-Gericht genießen oder als Beilage zum Beispiel zu gebratenem Hühnerfilet.

Mehr zum Löwenzahn:
Löwenzahn-Honig
Löwenzahnsalat

Löwenzahnsalat – liebe deinen Feind!

Wie so oft sollte man auch beim Löwenzahn umdenken: Nicht hassen, ausstechen, totspritzen. Liebe deinen Feind! Die klassischen Rasenbesitzer, die regelmäßig auf Löwenzahnjagd gehen, wissen gar nicht, was ihnen entgeht! Rein kulinarisch.

In meinem Gemüsegarten und in manchen Staudenbeeten lasse ich einige Löwenzahnpflanzen absichtlich stehen – im Rasen, der mehr einer Wiese gleicht – darf sowieso wachsen, was will. An der Nordseite des Hauses habe ich eine regelrechte Löwenzahnplantage.

Der Löwenzahn wird eine schöne, kräftige Pflanze, wenn man ihm die Chance dazu gibt und ihn nicht dauernd abmäht.

Löwenzahn, der sich entwickeln konnte – Größenvergleich

Warum also nicht das nutzen, was sowieso wächst? Es ist widersinnig, Löwenzahn zu vernichten, dafür aber leicht bittere Salate wie zB die immer beliebteren Catalogna-Sorten anzubauen. Also Arbeit sparen, Ärger sparen: Löwenzahn essen!

Löwenzahn am Rande eines Gemüsebeetes

In diesem Frühling haben wir schon viel Löwenzahn gegessen. Am liebsten im Erdäpfelsalat, als Beilage zum Beispiel zu Fisch oder, wenn es deftiger sein darf, zu faschierten Laibchen.

Löwenzahn-Salat

Zutaten:
kräftige Löwenzahnblätter
speckige Erdäpfel
Kürbiskernöl
Weißweinessig
Salz

Zubereitung:
Erdäpfel kochen. Währenddessen Löwenzahnblätter pflücken, waschen und in ca. 1 cm breite Streifen schneiden. Wer den bitteren Geschmack in Salaten weniger liebt, kann die geschnittenen Löwenzahnblätter kurz in ein wenig kaltem Wasser liegen lassen. Aber dadurch geht auch viel vom gesundheitlichen Wert verloren. Ist Abwägungs- und Geschmackssache. Bitterstoffe nehmen wir heutzutage sowieso viel zu wenige zu uns.
Die gekochten Erdäpfel blättrig schneiden, auskühlen lassen.
Dann eine Marinade aus Kürbiskernöl, Weißweinessig und Salz zubereiten und über die geschnittenen Erdäpfel geben. Die geschnittenen Löwenzahnblätter untermischen.

Passt ausgezeichnet zu Fisch oder zu gebratenem Fleisch.

Leber und Galle sagen danke!

Mehr zum Löwenzahn:
Löwenzahn-Honig

Bärlauchblütenessig

Die Natur ist gerade recht verschwenderisch mit ihren Gaben. Da der Winter erst im Februar kam, mit richtig tiefen Temperaturen, war alles sehr spät dran. Im April hat die Natur rasant aufgeholt. Wir hatten sogar schon die ersten “Tropennächte” mit 20 Grad.

Als der Bärlauch endlich beerntbar war, begannen er auch schon Knospen anzusetzen. Nun blüht er und die Zeit der Bärlauchsuppen, Bärlauchspaghetti, Bärlauchknödel etc. ist definitiv vorbei. Er steht in voller Blüte. Deshalb noch schnell ein paar Handvoll Bärlauchblüten geerntet und in gutem Apfelessig angesetzt.

Bärlauchblütenessig

Zutaten:
Bärlauchblüten (Menge nach Geschmack)
Bio-Apfelessig

Zubereitung:
Die Bärlauchblüten pflücken und eventuelle tierische Gäste wie Ameisen abschütteln. Dann in ein Glas geben und mit Apfelessig übergießen. Fest verschließen und zwei bis drei Wochen stehen lassen. Danach den Essig durch ein Sieb gießen, in Flaschen abfüllen und genießen!

Der ganz leichte Knoblauchgeschmack verfeinert die Marinaden der Gartensalate im Sommer!

Wildes Ernten

In diesem Jahr geht es uns wirklich gut. Den ganzen Winter über konnte ich Salate und Kohl aus dem Garten ernten und schon bald im Jahr beschenkte uns die Natur mit ihren Gaben. Das erste, das ich alljährlich in der Au suche, ist wilder Lauch, wenn er gerade aus dem Boden kommt, noch ganz zart im Geschmack. Dann folgt die Bärlauchsaison, es gibt Bärlauchrisotto, Bärlauchknödel, Bärlauchgnocchi, Bärlauch in Salaten, auf Brote usw. Aber die Natur bietet noch viel mehr.

Besonders im Frühling liebe ich Wildkräutersalate. Dafür eignen sich sehr viele Kräuter. Ich mag am liebsten eine Mischung aus Vogelmiere, Knoblauchrauke, etwas Giersch, Löwenzahn- und Gänseblümchenblättern. 2015-04-23_03wzWirklich sensationell ist, wieviel Lauch in der Au zu finden ist. Richtig dicke Stangen! Sie schmecken etwas kräftiger als Frühlingszwiebeln. Es gibt mehrere Arten von wildem Lauch, aber ich kenne mich botanisch leider zu wenig aus, um sie benennen zu können.

2015-04-23_02wzZum ersten Mal probiert haben wir heuer Hopfensprossen, früher auch als Hopfenspargel bezeichnet. Zuerst musste ich mal ein Auge dafür bekommen, wo er zu finden ist, der wilde Hopfen. Ist ja nicht ganz einfach, die zarten Triebe im Gebüsch auszumachen. Aber schnell wird man fündig, wenn man erst einmal ein geschultes Auge hat.

2015-04-23_01wz Dort, wo die Hopfensprossen mit den Fingern leicht abzuknipsen sind, ist auch die geeignete Stelle . Bis dorthin sind sie schön zart.

Derzeit ist die Au voll mit wildem Kerbel! Er steht ganz kurz vor der Blüte, also höchste Zeit, ihn zu ernten. Ich liebe Kerbel zu Spargelgerichten. Aber die Spargelsaison beginnt erst, wenn der Kerbel schon am Ende seiner Lebenszeit steht. Also habe ich einen Buschen davon geholt und klein gehackt eingefroren. Im Garten baue ich schon seit Jahren keinen Kerbel mehr an, wieso sollte ich auch!

2015-04-23_04wzDemnächst werde ich wohl wieder Löwenzahngelee machen, in meiner Kindheit einfach Löwenzahnhonig genannt. Und bald beginnt dann schon der Holunder zu blühen, die Blütenansätze sind schon zu sehen, was wieder viele Möglichkeiten eröffnet, zB für Hollerblütensirup oder Holundergelee.

Die Natur ist so großzügig und gibt uns so viel, ohne dass wir uns dafür anstrengen müssen! Wenn ich mal keine Freude mehr am Gärtnern habe oder zu wenig Kraft dafür, kann ich trotzdem weiterhin ernten. Ein schöner Gedanke!

In meiner Kindheit galt meine geliebte Tante als ein wenig sonderbar, weil sie Grünzeug aus Wald und Wiese geerntet und verarbeitet hat. Jetzt scheint es sehr schick zu sein. Zumindest gibt es eine inflationäre Anzahl von Rezepten für alles Mögliche und alle Garten- und Lifestyle-Zeitschriften sind voll mit Tipps zu Wildkräutern. Ich sehe aber nie Leute, die in der Natur etwas ernten. Außer ein paar Frauen mit Kopftüchern manchmal auf einer Wiese. Die haben, so scheint es, einen anderen kulturellen Hintergrund und zählen sicher nicht zu den Leserinnen der In-Lifestyle-Magazine.

Wie haltet ihr es mit der wilden Ernte?

Hollerblütensirup

Mittlerweile stehen 12 l frisches Holunderblütensirup im Keller. In unserem Haushalt einer der Hauptdurstlöscher das ganze Jahr über.

2012-05-24wzUnsere beiden Hollerstauden blühen in diesem Jahr ganz besonders üppig, deshalb werde ich wohl noch mehr davon machen. Wir trinken ja keine gekauften Limonaden, Säfte, Eistees, Mineralwasser etc., sondern fast ausschließlich selber erzeugte Säfte und Sirupe und Wasser aus dem eigenen Brunnen. Viele würden das wohl als Verzicht ansehen, für uns ist es ein geschmacklicher, gesundheitlicher und auch finanzieller Gewinn – und für die Umwelt ist es auch gut! Im Gegensatz zu den meisten Haushalten haben wir fast keinen Getränkeverpackungsmüll.

Hollerblütensirup

Zutaten:
Ca. 15 – 20 große, ganz aufgeblühte Hollerblütendolden (nicht waschen und auch nicht nach dem Regen ernten; allfällige Tierchen vorsichtig abschütteln, je mehr Hollerblütendolden, desto mehr Geschmack!)
2 l Wasser
1,5 kg Zucker
40 g Zitronensäure
1 Biozitrone

Zubereitung:
Die Blütendolden und eine in Scheiben geschnittene Zitrone mit 2 l kochendem Wasser übergießen.
Dann Zucker und Zitronensäure einrühren und auflösen.
24 Stunden zugedeckt stehen lassen.
Alles durch ein Tuch abseihen, Blüten ganz fest ausdrücken.
Aufkochen und siedend heiß in saubere Flaschen abfüllen, fest verschließen.
Hält einige Jahre im Keller.

Genossen wird das ganze stark verdünnt mit kaltem Wasser.
Bestens schmeckt auch ein Schuss Sirup in Sekt.

Für die Zubereitung gibt es unzählige verschiedene Varianten. Ich mache das Hollerblütensirup seit vielen Jahren auf diese Weise und wir sind sehr zufrieden mit Geschmack und Haltbarkeit.

Auf ganz ähnliche Weise bereite ich auch noch andere Sirupe aus Kräutern zu (wie in diesem Beitrag schon mal beschrieben), zum Beispiel aus Minze, Zitronenmelisse, Zitronenverbene, Zitronenbasilikum, Fruchtsalbei etc. Der Experimentierfreude sind hier keine Grenzen gesetzt!

 

Mehr Holler-Rezepte:

Hollerblüten-Gelee

Hollerblütenlikör

Hodka – Sommerlicher Cocktail

Frühlings-Lieblingstee