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Achtung, Werbung: Neue Selbstversorger-Bibel

Wer schon länger in meinem Blog mitliest, weiß, dass ich so gut wie nie für etwas Werbung mache. Ausgenommen einmal ein Buch von Erich Stekovic zu meiner Lieblingsgemüsesorten, den Tomaten.

Nun mache ich zum zweiten Mal in 11 Jahren eine Ausnahme und zwar für das Buch „Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten“ von Andrea Heistinger, das dieses Jahr im Löwenzahn-Verlag erschienen ist.

„Selbstversorgung“, dieser Begriff lässt bei vielen sofort ein romantisch verklärtes Bild aufkommen von Menschen, die mehr oder weniger abgeschottet in der Natur leben und für ihr leibliches Auskommen selber sorgen oder sorgen müssen. Das neue Buch „Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten“ von Andrea Heistinger rüttelt schon auf den ersten Seiten an diesem unrealistischen, nicht mehr zeitgemäßen Bild des Selbstversorgers.

Das Buch beschreibt verschiedene Formen der modernen Selbstversorgung. Es wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten heutzutage für Menschen bestehen, sich selbst mit gesunder Nahrung zu versorgen. Vom eigenen Garten, über eine Mietparzelle bis hin zu solidarischer Landwirtschaft oder Food-Kooperativen gibt es ein breites Spektrum an Möglichkeiten, sich allein oder gemeinsam mit anderen um die Versorgung mit gesundem, regionalem und saisonalem Essen zu kümmern.

Heistinger führt die Leser Schritt für Schritt an die Selbstversorgung heran: Sie zeigt Möglichkeiten auf, weist auf notwendige Voraussetzungen dafür hin und regt an, die eigenen Bedürfnisse, den Bedarf und die Vorstellungen in Bezug auf Nahrung und auch auf die dafür aufgewendete Arbeit genau zu hinterfragen.

Ein Selbsttest gibt Auskunft darüber, welcher Selbstversorgertyp man von seinen Voraussetzungen her (Lebensstil, Erfahrung, räumliche Gegebenheiten etc.) ist.

Dieses Buch hat das Zeug, zur „Bibel“ für jeden zu werden, der sich für Selbstversorgung interessiert.

Es gibt Auskunft über Boden, verschiedene Arten der Düngung, von Bokashi, Kompost, Mulchen, Komposttee, Pflanzenjauchen, verschiedene Beetformen mit ihren Vor- und Nachteilen werden vorgestellt ebenso wie die erforderlichen Gerätschaften, um einen Garten selber anzulegen und zu pflegen.

Der intersssierte Leser wird durch das gesamte Gartenjahr begleitet. Von der Planung über die Aussaat, das Abhärten, Pflanzen bis hin zur Ernte und zu Lagermöglichkeiten bietet Heistinger einen fundierten Überblick über das Gemüsegärtnern. Auch auf die speziellen Möglichkeiten im Winter und sogar auf den Klimawandel wird eingegangen.

Für Gemüsegarten-Anfänger bietet das Buch auch eine gute Übersicht über verschiedenste Gemüsearten und Kräuter, deren Aussaatzeitpunkt, Besonderheiten und Bedürfnisse – versehen mit ganz speziellen Sortentipps. Dasselbe trifft auch auf den Obstanbau zu. Ein Überblick über Arten und Sorten, das fachmännische Pflanzen und Pflegen bis hin zu Anlage einer Streuobstwiese und zu Konservierungsmethoden ist alles in diesem Wälzer zu finden.

Sogar über Bienen- und Hühnerhaltung findet sich ein Kapitel. Sehr viele moderne Selbstversorger legen sich ja eine kleine Hühnerschar zu, um Eier von glücklichen Hühnern genießen zu können – und nebenbei noch den Garten düngen zu lassen 😉

Hätte es dieses Buch schon vor 15 Jahren gegeben, wäre mein Bücherschrank weit weniger vollgestopft mit Literatur zum Thema Selbstversorgung, Gemüsegarten, Gemüsearten, Permakultur, Hausgarten, Pflanzenschutz, Düngung etc. Als ich angefangen habe mit dem Gärtnern, habe ich dutzende Bücher gekauft, die das Thema von verschiedenen Seiten her beleuchten. Das kann man sich nun sparen. Die neue „Selbstversorger-Bibel“ ist ein All in One-Werk.

Ich kann dieses Standardwerk nur jedem ans Herz legen, der sich dafür interessiert, sich mit gesundem Gemüse und Obst selber zu versorgen – ob nun aus dem eigenen Hausgarten, auf einer Pachtparzelle, einem Kleingarten oder durch Gründung einer Food-Kooperative.

Andrea Heistinger
Arche Noah
„Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten“
Individuelle und gemeinschaftliche Wege und Möglichkeiten
Löwenzahn-Verlag, 2018
472 Seiten
ISBN 978-3-7066-2548-7

Ein Federbett fürs Gemüse

Wir lieben unser Gemüse.
Und weil wir das tun, betten wir es dieses Jahr ganz weich. Es soll sich wohlfühlen und entspannt heran wachsen.

2015-03-11_04wzWir haben extra unsere Bettpölster (ja, in Österreich darf die Mehrzahl Pölster heißen!) geopfert, um es den Salaten, Paradeisern und all den anderen Gemüsearten im Garten so richtig bequem zu machen.

2015-03-11_03wzNaja, um ehrlich zu sein, ganz so aufopferungsbereit sind wir natürlich nicht. Unsere alten Federpölster hatten ausgedient und neue mussten her. Wie praktisch, dass wir einen Gemüsegarten haben und Federn sich hervorragend als natürlicher Dünger eignen.

Dieses Jahr müssen wir zum ersten Mal seit Anlegen des Gemüsegartens vor 11 Jahren (Ist das echt schon so lange her?!) die Beete umgraben. Sonst hacke ich sie ja nur leicht durch, wie hier beschrieben.

Unsere alte, riesengroße Pappel, die viel zu nahe am Gemüsegarten wächst, hat die Herrschaft über den Boden endgültig übernommen und ihre gierigen Wurzeln durch alle Beete geschickt. Auf der Suche nach Nahrung und Wasser hat ihr Wurzelgeflecht den Boden der Gemüsebeete so sehr verdichtet, dass sich die Gemüsepflanzen schon sichtlich schwer taten, den Wurzelfilz zu durchdringen.  Also heißt es heuer: umgraben und Wurzeln aus den Beeten entfernen. Pro Beet gibt das mehrere Eimer voll Wurzelwerk in allen Dimensionen, vom feinen Wurzelfilz bis zu mehrere Finger dicken Wurzelbrummern. Der Pappel wird’s nicht schaden.

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Wurzeln aus einem einzigen Gemüsebeet, drei große Eimer voll

Nach dem Umgraben und Entfernen der Wurzeln habe ich tiefe Gräben in den Beeten gezogen und darin Reihe für Reihe die Federn der ausgedienten Pölster versenkt.

2015-03-11_02wz Federn sind meines Wissens bester Stickstoffdünger, vergleichbar mit Hornspänen.

Unser Gemüse wird sich bestimmt freuen. Ich hoffe nur, es missversteht nicht die Federn und verharrt im Tiefschlaf anstatt uns das weiche Bett mit gesundem Wachstum zu danken.

Wie düngt ihr eure Gemüsebeete?

Test-Frühbeet

Nun konnte ich doch nicht widerstehen. Schon lange denke ich über ein Frühbeet nach. Vor einer Woche habe ich beim Discounter ein kleines, billiges gekauft. Es isoliert bestimmt nicht wahnsinnig gut, die Wände und der Deckel sind nicht sehr dick. Und ewig halten wird es auch nicht. Aber ich kann so einmal ausprobieren, wo ein guter Platz sein könnte für ein stabileres. Und schauen, welche Größe denn für ein richtiges, stabiles Sinn machen würde. Auf diese Weise kann ich das billige Ding als Testobjekt betrachten – und so meinen Kauf ein bisschen besser rechtfertigen. Ist das nicht fein?2015-03-05_01wzEine besondere Zierde ist es nicht. Wenn ich mal weiß, wo und wie groß, dann sollte das endgültige Objekt der frühpflanzerischen Begierde optisch schon einen Tick ansprechender sein. Vielleicht so, wie die alten Frühbeete im Garten meiner Elten, mit betonierten Seitenwänden, auf denen die Glasabdeckungen dann eingepasst liegen können. Mit der Zeit vermoosen die Betonwände außen so schön, dass es ganz hübsch anzusehen ist. Und es hält ewig!

2015-03-05_02wzDie Neuerwerbung habe ich natürlich schon bepflanzt. 12 Salatpflanzen passen ganz gut hinein, das ist schon mal nicht schlecht! Damit sie es im neuen Zuhause noch ein bisschen kuscheliger haben, musste eine alte Noppenfolie herhalten, die irgendwann einmal als Verpackung hier ankam.

Im Beet nebenan wohnen schon ein paar Kohlrabipflänzchen. Dort habe ich vor ein paar Tagen Petersielie gesät und Puffbohnen gelegt. Die kleinen Windräder machen Geräusche, wenn sie in Bewegung sind. Das ist gut so. Denn unsere Amseln wühlen zu gern in frischen Beeten!2015-03-05_03wzDie Kohlrabis haben es nicht ganz so luxuriös. Sie müssen mit den Null-Euro-Gewächshäusern vorlieb nehmen, die ich seit vielen Jahren immer im Vorfrühling verwende, um kleine Pflanzen oder auch Saaten vor der Kälte zu schützen. 2015-03-05_04wzHabt ihr Frühbeete in euren Gärten?
Wenn ja, aus welchem Material sind sie gebaut und welche Größe macht Sinn?

Kälteschutz im Gemüsegarten

In unserem Garten haben wir leider kein Gewächshaus. Am Anfang haben wir keines geplant, nun ist ohne größeren Umbau kein Platz mehr und die Kosten sind ja auch nicht ohne. Das bringt mich jedes Jahr im Vorfrühling ins Grübeln: Wie kann ich Salate auspflanzen, wenn es eigentlich noch zu kalt dafür ist?

In der Garage – nein, nein, kein Platz für Autos, ein Platz zum Lagern für altes Holz, Pflanztöpfe, Bewässerungsschläuche, Sommerliegen und sonstige lebensnotwendige Utensilien! – haben wir noch den Rahmen eines alten Lattenrosts aufgehoben. Man weiß ja nie. Und siehe da, wir wussten.

2011-03-06_02wzFlugs an zwei Abenden entstanden daraus – und aus dicker Plastikfolie – zwei kleine, mobile Häuschen für den Gemüsegarten: Holz zurecht schneiden, zusammenschrauben, Folie schneiden, antackern, fertig.

2011-03-06_03wzEin paar Tage später war der Boden endlich soweit aufgetaut, dass ich wenigstens ein paar Salatwinzlinge auspflanzen konnte.

Als Abdeckung für die noch wirklich kalten Nächte erhalten die Häuschen derzeit noch je zwei Lagen Noppenfolie und zwei alte Teppiche. Auch aus dem Garagenfundus natürlich. (Warum andere Leute immer alles gleich wegwerfen?)

2011-03-06_01wzEinige Steine habe ich noch um die kleinen Pflanzen drapiert, die sollen als Wärmespeicher dienen. Ob die Steine wirklich was bringen, kann ich noch nicht sagen. Tagsüber gebe ich die Teppiche und die Noppenfolie von den Häuschen herunter. Je nach Temperatur dürfen die Salatpflanzen auch mal Frischluft tanken. Gegen Abend wird alles wieder abgedeckt.
Auf diese Weise haben meine kleinen Salatpflanzen sogar schon Nächte mit minus sechs, sieben Grad überstanden.

Schönheitspreis bekomme ich dafür keinen, aber praktisch und kostengünstig ist die Lösung allemal.

(Selbst)Aussaat von Salaten

So schaut es gegen Ende April immer auf unserem Hügelbeet aus:

2010-02_Sal5wzUnzählige Salatpflänzchen haben sich selbst ausgesät und wachsen nun dort. Die Samen sind entweder mit dem Kompost auf das Hügelbeet gewandert oder haben einfach an Ort und Stelle überwintert und dann genau zur für sie richtigen Zeit gekeimt.

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Forellenschluss (Selbstaussaat)

Die Aussaat von Salat ist – aus meiner Sicht – immer etwas mühsam. Man muss enorm früh anfangen, damit man, sobald die Witterung es zulässt, kräftige Pflanzen zum Auspflanzen hat. Die Temperatur bei der Anzucht sollte relativ niedrig sein, dennoch benötigen sie viel Licht. Die Pflänzchen sollten am besten einzeln in kleinen Anzuchttöpfchen stehen, um beim Auspflanzen die Wurzeln nicht zu beschädigen, dafür benötigt man wirklich viel Platz. Auch sinkt die Keimrate bei Salatsamen rasant, nur sehr frische Samen keimen wirklich gut.
Also insgesamt nicht ganz so prickelnd – für mich zumindest.

Daher beschränke ich mich auf das Nötigste. Alljährlich im Jänner beginne ich mit der Aussaat im Haus, um verlässlich ein paar Pflänzchen zur Verfügung zu haben, sobald es draußen los gehen kann. Zur Not kaufe ich ein paar wenige zu.
Alles weitere überlasse ich meist der Natur selber.

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Roter Eichblattsalat (Selbstaussaat)

Von allen Salatsorten lasse ich jedes Jahr einige Exemplare aussamen. So tauchen meist das ganze Jahr über Salatpflanzen überall im Garten auf. Wo es passt, dürfen immer ein paar stehen bleiben, manche werden dort hin gepflanzt, wo grade wieder Platz frei ist. Die vielen, vielen überzähligen werden einfach ausgezupft und an Ort und Stelle als Mulch liegen gelassen.

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Spargelsalat “Roter Stern” (Selbstaussaat)

Die Salatpflanzen, die von ganz alleine wachsen, sind immer die kräftigsten bei uns im Garten. Zugekaufte oder mühsam von mir ausgesäte werden nie so prächtig.

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Amerikanischer Brauner (Selbstaussaat)

Manch einer mag die Methode unpraktisch finden, chaotisch. Für mich ist sie genau richtig: Man spart Arbeit, bekommt kräftige Pflanzen und so nebenbei noch Mulch. Nur eines darf man nicht: Aus “Mitleid” zu viele Salatpflänzchen stehen lassen, dann entwickelt sich der Gemüsegarten in einen Dschungel und die anderen Gemüsearten haben keine Chance mehr.