Bärlauchblütenessig

Die Natur ist gerade recht verschwenderisch mit ihren Gaben. Da der Winter erst im Februar kam, mit richtig tiefen Temperaturen, war alles sehr spät dran. Im April hat die Natur rasant aufgeholt. Wir hatten sogar schon die ersten “Tropennächte” mit 20 Grad.

Als der Bärlauch endlich beerntbar war, begannen er auch schon Knospen anzusetzen. Nun blüht er und die Zeit der Bärlauchsuppen, Bärlauchspaghetti, Bärlauchknödel etc. ist definitiv vorbei. Er steht in voller Blüte. Deshalb noch schnell ein paar Handvoll Bärlauchblüten geerntet und in gutem Apfelessig angesetzt.

Bärlauchblütenessig

Zutaten:
Bärlauchblüten (Menge nach Geschmack)
Bio-Apfelessig

Zubereitung:
Die Bärlauchblüten pflücken und eventuelle tierische Gäste wie Ameisen abschütteln. Dann in ein Glas geben und mit Apfelessig übergießen. Fest verschließen und zwei bis drei Wochen stehen lassen. Danach den Essig durch ein Sieb gießen, in Flaschen abfüllen und genießen!

Der ganz leichte Knoblauchgeschmack verfeinert die Marinaden der Gartensalate im Sommer!

Prioritäten

Ein Garten ist stete Veränderung. Ein Gartenblog daher auch.

Als ich mit dem Gärtnern anfing, war mir von Anfang an auch das Gemüsegärtnern ein sehr wichtiges Anliegen. Ich stöberte in einigen Gartenforen und durch deren Einfluss glaubte ich, ich dürfe mich nur dann Gärtnerin nennen, wenn ich eine umfassende Pflanzenexpertin wäre. Von allen Arten, die ich liebe, müsse man gleich ein Dutzend unterschiedliche haben und diese auch noch mit lateinischem Namen kennen. Also war ich wie so viele andere auf der Jagd nach Besonderheiten – nach der fünfundzwanzigsten Hosta und der achtundsiebzigsten Rose oder dem vierzehntem Geranium. Gartenbesucher konnten mich nach allen lateinischen Pflanzennamen und der Herkunft der Gartenbewohner fragen, die Antwort kam umgehend. Mit der Zeit wurde das ganz schön stressig und die Sinnfrage stellte sich mir. Was für ein absurder Wettbewerb in den Foren und Blogs! Pflanzen, die nur mit viel Zureden und Gehätschelt-Werden jedes Jahr wieder wuchsen, fand ich zunehmend lästig. Die Schilder mit den lateinischen Namen entfernte ich aus den Beeten und ich begann praktischer an die Sache heranzugehen. Und entspannter! Was nicht gedeihen wollte, wurde nicht mehr nachgekauft. Was gut gedieh, durfte sich aussamen und nach Belieben auch an anderen Plätzen einnisten.

Dekorative Elemente gibt es nach wie vor in unserem Garten, aber ich mag nicht mehr viel Zeit dafür aufwenden. Die Motivation, mit Life-Style- oder Trend-Gärten aus Magazinen und Blogs mitzuhalten, kam mir zu einhundert Prozent abhanden. Für mich bedeutet Gärntern nicht, auf jedem Tischchen im Garten stets einen frischen Strauß Blumen zu stellen oder alles mit jahreszeitlichen Elementen zu dekorieren. Ich will in unserem Garten einfach leben. Ich will ihn genießen. Er soll unseren Bedürfnissen gerecht werden. Und so hat sich der Garten verändert und die Lust am Bloggen ist gesunken. Denn all die schönen Bildchen von „Gartensituationen“ mit lauter Deko-Elementen darauf, die dann in den Kommentaren mit unzähligen “Wow”’s bedacht werden, haben einfach mit dem, was ich unter Gärtnern verstehe, rein gar nichts zu tun. Und, ganz ehrlich, ich blogge auch nicht, um möglichst viel Kommentare zu bekommen, sondern weil ich einfach Lust am Reflektieren und Schreiben habe. Was nicht heißt, dass ich mich nicht über jeden einzelnen Kommentar freue, wenn ich merke, dass er wirklich Bezug auf das nimmt, was ich geschrieben habe – und nicht nur hinterlassen wurde, damit ich einen “Gegenbesuch” auf dem anderen Blog mache.

Bachlauf im Wachsen und Werden-Garten

Nachdem ich in den letzten zwei Jahren die meiste Zeit für die Betreuung von Flüchtlingen – und die allermeiste Zeit und Energie für „meine“ vier Jungs – aufgewendet habe, hatte ich einfach keinen freien Kopf, wenig Zeit und auch Lust zum Bloggen. Die Welt ist verrückt geworden in dieser Zeit, die Politik ist grauenhaft und beängstigend. Aber der Garten lief weiter. Einige neue Projekte wurden umgesetzt. Wir haben viel geerntet. Aber die Prioritäten lagen auf den Menschen, um die ich mich gekümmert habe und noch immer kümmere. „Meine“ Jungs sind zum Teil flügge geworden, es gab und gibt wunderbare Momente und auch wahnsinnig traurige. Meine Zeit und Energie kann und will ich nun wieder verstärkt auf’s Schreiben richten, denn es hat mir gefehlt. Aber ich glaube, es wird – wieder einmal – eine etwas andere Art des Bloggens daraus erwachsen. Die Prioritäten haben sich verschoben, im Leben, im Garten und auch in dem, was ich mit-teilen will.

Also, liebe neue und alte GartenfreundInnen, BloggerInnen, LeserInnen: Ich hoffe, ihr schaut mir nun hin und wieder beim Gärtnern über die Schulter. Ich freue mich auf eure Besuche, Kommentare und auf den Gedankenaustausch mit euch!

Laguna in luftigen Höhen

Eine der ersten vor 10 Jahren gepflanzten Rosen war die Kletterrose Laguna, eine Züchtung aus 2004 von Kordes, mit einer angegebenen Wuchshöhe von 2,5 Metern. Ich grub ihr mühsam ein Bettchen am Fuße einer alten Kiefer, gab ihr gutes Essen und hoffte, sie würde wenigstens zwei Meter erreichen, denn der Boden dort ist extrem durchwurzelt, staubtrocken und steinhart.

(Die Bilder anklicken, um die ganze Pracht sehen zu können 🙂 )

Laguna war dankbar dafür. Ist nicht gestorben. Sie hielt ein paar Jahre tapfer ihre Höhe von 1,5 m und nach einigen Jahren erreichte sie tatsächlich die angegebene Höhe von 2,5 m. Ab diesem Zeitpunkt, ich gestehe es, begann ich sie zu vernachlässigen. Gb ihr weniger zu Essen, weniger zu trinken und ganz allgemein weniger Aufmerksamkeit.Diese Aufmerksamkeit hat sie sich in den letzten drei Jahren zurück erkämpft, indem sie sich in den Mittelpunkt drängt. Sie beherrscht mittlerweile die alte Kiefer bis in eine Höhe von ca. 20 Metern und im Mai bildet sie das Zentrum der Bewunderung aller Gartenbesucher.

Sie blüht sehr lange Zeit und üppig …

… und schickt dann ihren berauschenden Duft durch den ganzen Garten.Am Ende der Blütezeit malen ihre pinkfarbenen Blütenblätter einen Teppich in den Garten.

Die “Laguna-Kiefer” ist einer der größten Bäume im Garten

Jetzt ist die Laguna schon verblüht, dafür schickt die Clematis viticella “Etoile violette” ihre Blütenpracht himmelwärts.

Im großen Kampf um die Aufmerksamkeit in luftigen Höhen, darf man nicht vergessen, seine Augen auch den bescheiden am Boden blühenden Schönheiten zuzuwenden. Diese Glockenblume hat sich ans Fußende der Teichliegen gesetzt und beobachtet fasziniert das Treiben im kleinen Teich.

Danke, lieber Samer, für die wunderbaren Fotos!
Und danke Wolfgang für das Foto, das die großen Gehölze in unserem Garten zeigt!

If you eat, you’re in

Urban Gardening ist schon lange ein weltweiter Trend. Viele kennen die Vorzeigebeispiele Todmorden oder Andernach. Wie das mit den Trends nun mal so ist, brauchen sie einige Jahrzehnte, bis sie auch in Groß Enzersdorf ankommen.

Eine Gruppe des Klimaschutzbündnisarbeitskreises – was für ein Wort! – hat beschlossen, im Stadtpark von Groß Enzersdorf den Versuch zu wagen und in vier kleinen Hochbeeten Gemüse – vorzugsweise Tomaten – anzubauen. Die Stadtgemeinde stimmte zu und schon haben wir losgelegt.

Ein Hochbeet wurde komplett aus Recycling-Materialien gebaut und ist meiner Meinung nach das schönste der vier – siehe links hinten.

Nach der Befüllung ging es ans Pflanzen der gespendeten Tomaten. In jedes Hochbeet zogen vier Tomatenpflanzen ein und als Untermieter Pflücksalate, Rucola, Horschhornwegerich sowie Ringelblume und Tagetes für die Bodengesundheit. Das Pflanzen hat Groß und Klein viel Spaß gemacht und war ruckzuck erledigt.So sahen die fertig bepflanzten Beete ein paar Tage später aus. Dank liebevoller Pflege und täglichem Gießen ist alles gut angewachsen.

Wie man sehen kann, fühlen sich die neuen Parkbewohner sichtlich wohl in ihren Freiluftzimmern und sind schon kräftig gewachsen. Das Gießen, Aufbinden, Unkrautzupfen funktioniert ohne wirklichen Arbeitsplan hervorragend. Am Wochenende habe ich den Paradeisern neue Stecken gebracht und aufgebunden und festgestellt, dass niemand bisher auch nur ein Blatt gepflückt hat, obwohl Pflücksalate und Rucola schon beerntbar sind. Ich bin neugierig, wann sich mal jemand ein bisschen was ernten traut! Wahrscheinlich würde die Hemmschwelle, etwas zu nehmen, nicht so groß sein, wenn es mehr Beete geben würde. So erscheint jedes Salatblättchen gleich furchtbar kostbar!

Ich mag diese Aktion sehr – sie bringt Leute zusammen, belebt den öffentlichen Raum und macht vor, wie wenig Platz es braucht, um gutes Gemüse selber zu produzieren.  Ich finde, die vier Hochbeete sollten nur ein Anfang sein. Ich träume von einer essbaren Stadt Groß Enzersdorf, wo auf vielen öffentlichen Flächen Gemüse, Beeren und Obstbäume wachsen. Wo sich die Menschen zufällig beim Ernten, Pflanzen oder Unkrautzupfen treffen und ins Reden kommen. Wo in Kochkursen vorgezeigt wird, was man mit den vielen Gemüseraritäten, die es gibt, eigentlich Köstliches zubereiten kann, wo es Erntefeste gibt und über die Jahre ein ganz neuer Gemeinschaftsgeist mit ökologischem Bewusstsein und Freude an gesundem Essen wachsen kann. In Todmorden heißt es “If you eat you are in”. Es wäre schön, das für Groß Enzersdorf zu übernehmen: “Iss und schon bist du dabei!”

[Danke an Moritz, Georg und Shivan für die Fotos!]

Tomatensorte: Evergreen

Evergreen ist eine, wie schon der Name vermuten lässt, grüne Fleischtomate.  Die Samen hat mir Henry vor längerer Zeit mal zukommen lassen. Wie oft habe ich die Sorte sowohl ungeschützt im Freiland als auch etwas geschützt an der südseitigen Hauswand in Töpfen gezogen.

Die Evergreen wird etwas über zwei Meter hoch und hat reichlich Fruchtansatz. EvG_01wzSie ist keine von den ganz frühen Sorten, aber auch keine, die sehr spät erst erntereife Paradeiser bekommt.

Die Früchte sind im reifen Zustand gelb-grün geflammt. EvG_02wzDas Fruchtfleisch schimmert in verschiedenen grün-weiß-Tönen.

EvG_03wzEinen erheblichen Nachteil haben die Evergreen-Früchte: Sie platzen sehr, sehr leicht auf, auch die, die geschützt unter dem Dachvorsprung standen. Schale und Fruchtfleisch sind sehr weich und wenn man sie nur ein klein wenig zu spät erntet, schmecken sie fade und mehlig. Erwischt man den perfekten Erntezeitpunkt, ist ihr Geschmack säuerlich-erfrischend.EvG_04wzDie allermeisten Früchte sind flachrund, schwach gerippt und haben (bei mir) einen Durchmesser von 7 – 8 cm bei einer Höhe von ca. 6 cm.

EvG_05wzAlles in allem eine Tomate, die relativ lange gesund bleibt, viel Ertrag bringt, mit Früchten in einem sensationellen grünen Frarbton. Eine Augenweide in jedem Salat! Die vielen aufgeplatzen Früchte jedoch haben mir nicht so gefallen. Somit ist die Evergreen nicht unter meinen Favoriten zu finden, aber alle paar Jahre werde ich sie bestimmt anbauen, damit ich immer keimfähige Samen davon habe.