Sieg der Neugier! – Tomatenplanung 2018

Dieses Jahr wollte ich ganz neue Sorten ausprobieren. Sogar auf meine erprobten Lieblingssorten habe ich verzichtet. Die Neugier hat zugeschlagen!

Tomatenkinder Anfang Mai

So habe ich bei Manfred Hahm-Harmann und Irina Zacharias (siehe Bezugsquellen) viele Sorten bestellt und bis auf ganz wenige bekannte ausschließlich für mich neue Sorten ausgesät:

Arkansas Traveler
Black from Tula
Black Plum
Caroletta
Creole
Deweese Streaked
Fuzzy Wuzzy
German Johnson
Green Sausage
Himbeerrose
Indigo Rose
Jasnaja
Katinka
Laternchen
Lollipop
Lucky Tiger
Malinowski
Ogni Moskvy (Moskauer Lichter)
Omar’s Lebanese
Ping Pong
Reginas Yellow
Rio Grande
Sibirskij Sürpris
Sosuletschka Tschernaja (Schwarzer Eiszapfen, Black Icicle)
Sweet Pea
Tombolino
Tondo Giallo
Tumbling Tom Red
Tumbling Tom Yellow
Venus
Winogradnij (Weintrauben)

Ausgesät habe ich am 9. März, pikiert am 4. April. Seit Mitte April schon dürfen die pikierten Tomatenkinder auch die Nacht auf der Terrasse verbringen. Nur wenige Male, wenn Temperaturen unter 10 Grad angekündigt waren, habe ich sie zum Schlafen ins Haus geholt. Auspflanzen werde ich sie wie fast jedes Jahr erst nach den Eisheiligen.

In den ersten Jahren konnte ich es oft nicht abwarten, die zum Teil schon recht großen Tomaten endlich an Ort und Stelle in die Freiheit zu entlassen. Doch ich habe daraus gelernt: Das Wetter ist meist recht unberechenbar kurz vor Mitte Mai. Die Eisheiligen lassen kaum ein Jahr aus. Ich hatte dann Angst um meine Zöglinge, musste mit provisorischen Abdeckungen ausrücken – Eimern, Töpfen, Vließ. Arbeit! Aufregung! Die kleinen Tomatenpflanzen haben unter den kalten Temperaturen doch oft gelitten und danach einige Wochen in Schockstarre verbracht, anstatt fröhlich weiter zu wachsen.

In diesem Fall lohnt es sich wirklich, geduldig zu sein!

Welche Sorten sind bei euch dieses Jahr am Plan?

Löwenzahnsalat – liebe deinen Feind!

Wie so oft sollte man auch beim Löwenzahn umdenken: Nicht hassen, ausstechen, totspritzen. Liebe deinen Feind! Die klassischen Rasenbesitzer, die regelmäßig auf Löwenzahnjagd gehen, wissen gar nicht, was ihnen entgeht! Rein kulinarisch.

In meinem Gemüsegarten und in manchen Staudenbeeten lasse ich einige Löwenzahnpflanzen absichtlich stehen – im Rasen, der mehr einer Wiese gleicht – darf sowieso wachsen, was will. An der Nordseite des Hauses habe ich eine regelrechte Löwenzahnplantage.

Der Löwenzahn wird eine schöne, kräftige Pflanze, wenn man ihm die Chance dazu gibt und ihn nicht dauernd abmäht.

Löwenzahn, der sich entwickeln konnte – Größenvergleich

Warum also nicht das nutzen, was sowieso wächst? Es ist widersinnig, Löwenzahn zu vernichten, dafür aber leicht bittere Salate wie zB die immer beliebteren Catalogna-Sorten anzubauen. Also Arbeit sparen, Ärger sparen: Löwenzahn essen!

Löwenzahn am Rande eines Gemüsebeetes

In diesem Frühling haben wir schon viel Löwenzahn gegessen. Am liebsten im Erdäpfelsalat, als Beilage zum Beispiel zu Fisch oder, wenn es deftiger sein darf, zu faschierten Laibchen.

Löwenzahn-Salat

Zutaten:
kräftige Löwenzahnblätter
speckige Erdäpfel
Kürbiskernöl
Weißweinessig
Salz

Zubereitung:
Erdäpfel kochen. Währenddessen Löwenzahnblätter pflücken, waschen und in ca. 1 cm breite Streifen schneiden. Wer den bitteren Geschmack in Salaten weniger liebt, kann die geschnittenen Löwenzahnblätter kurz in ein wenig kaltem Wasser liegen lassen. Aber dadurch geht auch viel vom gesundheitlichen Wert verloren. Ist Abwägungs- und Geschmackssache. Bitterstoffe nehmen wir heutzutage sowieso viel zu wenige zu uns.
Die gekochten Erdäpfel blättrig schneiden, auskühlen lassen.
Dann eine Marinade aus Kürbiskernöl, Weißweinessig und Salz zubereiten und über die geschnittenen Erdäpfel geben. Die geschnittenen Löwenzahnblätter untermischen.

Passt ausgezeichnet zu Fisch oder zu gebratenem Fleisch.

Leber und Galle sagen danke!

Mehr zum Löwenzahn:
Löwenzahn-Honig

If you eat, you’re in – Saison zwei

Unsere vier Gemüsehochbeete im Stadtpark von Groß Enzersdorf wurden letztes Jahr nach zögerlichem Beginn doch recht fleißig beerntet. Und auch wenn sich eine lokale Reporterin über die dürren Stängel in den Beeten im Winter aufgeregt hat und so manchen gar nicht gefiel, dass im Park auch Gemüse angepflanzt wird, sind wir im April kurz entschlossen in die zweite Saison mit unserem “Mini-Urban Gardening-Projekt” gestartet. Wir haben die Beete mit etwas Dünger frühlingsfit gemacht und Pflücksalate und Kohlrabis gepflanzt.

Beim Gießen heute habe ich gesehen, dass es in den Beeten mittlerweile von tollen Sämlingen nur so wimmelt: Pflücksalate, Rucola, Ringelblume, Tagetes und sogar der Hirschhornwegerich haben sich ausgesamt. Praktisch! Das spart Zeit, Geld und Arbeit. Man muss die Natur nur lassen. An zwei Stellen kommen auch ganze Büschel von Tomatensämlingen von heruntergefallenen Tomaten. Die Paradeisersämlinge werden wir beim Bepflanzen nach den Eisheiligen wohl entfernen, sie sind sehr spät dran. Aber von den übrigen Sämlingen kann man vieles stehenlassen und vielleicht mag ja jemand von den Beteiligten ein paar davon mit nach Hause nehmen und am Balkon oder im Garten auspflanzen.

Es ist übrigens ein nettes Projekt. Es macht wenig Arbeit und man kommt fast immer beim Gießen mit Leuten ins Gespräch, die fragen, was das ist, ob sie hier auch ernten oder mitmachen können.

Unser Mini-Projekt zeigt, wie einfach es ist, selber Gemüse anzubauen. Man braucht nicht viel Platz dafür, kann zum Bauen der kleinen Hochbeete sogar auf altes Material zurückgreifen und kreatives Recycling betreiben. So ein Mini-Hochbeet findet auf fast jedem Balkon Platz und wäre auch ein Gewinn für die vielen ungenutzten Rasenflächen zwischen Genossenschaftswohnungen oder für öffentliche Flächen. Zusätzlich zur Ernte lernt man viel über die Natur, lernt genaues Beobachten, und kommt mit Menschen im öffentlichen Raum in Kontakt. Es ergeben sich nette Gespräche und neue Bekanntschaften. Auch das ist der Sinn des Urban Gardening: Rauskommen aus der Anonymität am Wohnort, ein neues Miteinander und aufeinander Zugehen.

Hier geht’s zum ersten Artikel über das Mini-Projekt im Groß Enzersdorfer Stadtpark vom letzten Jahr:
If you eat, you’re in

Bärlauchblütenessig

Die Natur ist gerade recht verschwenderisch mit ihren Gaben. Da der Winter erst im Februar kam, mit richtig tiefen Temperaturen, war alles sehr spät dran. Im April hat die Natur rasant aufgeholt. Wir hatten sogar schon die ersten “Tropennächte” mit 20 Grad.

Als der Bärlauch endlich beerntbar war, begannen er auch schon Knospen anzusetzen. Nun blüht er und die Zeit der Bärlauchsuppen, Bärlauchspaghetti, Bärlauchknödel etc. ist definitiv vorbei. Er steht in voller Blüte. Deshalb noch schnell ein paar Handvoll Bärlauchblüten geerntet und in gutem Apfelessig angesetzt.

Bärlauchblütenessig

Zutaten:
Bärlauchblüten (Menge nach Geschmack)
Bio-Apfelessig

Zubereitung:
Die Bärlauchblüten pflücken und eventuelle tierische Gäste wie Ameisen abschütteln. Dann in ein Glas geben und mit Apfelessig übergießen. Fest verschließen und zwei bis drei Wochen stehen lassen. Danach den Essig durch ein Sieb gießen, in Flaschen abfüllen und genießen!

Der ganz leichte Knoblauchgeschmack verfeinert die Marinaden der Gartensalate im Sommer!

Prioritäten

Ein Garten ist stete Veränderung. Ein Gartenblog daher auch.

Als ich mit dem Gärtnern anfing, war mir von Anfang an auch das Gemüsegärtnern ein sehr wichtiges Anliegen. Ich stöberte in einigen Gartenforen und durch deren Einfluss glaubte ich, ich dürfe mich nur dann Gärtnerin nennen, wenn ich eine umfassende Pflanzenexpertin wäre. Von allen Arten, die ich liebe, müsse man gleich ein Dutzend unterschiedliche haben und diese auch noch mit lateinischem Namen kennen. Also war ich wie so viele andere auf der Jagd nach Besonderheiten – nach der fünfundzwanzigsten Hosta und der achtundsiebzigsten Rose oder dem vierzehntem Geranium. Gartenbesucher konnten mich nach allen lateinischen Pflanzennamen und der Herkunft der Gartenbewohner fragen, die Antwort kam umgehend. Mit der Zeit wurde das ganz schön stressig und die Sinnfrage stellte sich mir. Was für ein absurder Wettbewerb in den Foren und Blogs! Pflanzen, die nur mit viel Zureden und Gehätschelt-Werden jedes Jahr wieder wuchsen, fand ich zunehmend lästig. Die Schilder mit den lateinischen Namen entfernte ich aus den Beeten und ich begann praktischer an die Sache heranzugehen. Und entspannter! Was nicht gedeihen wollte, wurde nicht mehr nachgekauft. Was gut gedieh, durfte sich aussamen und nach Belieben auch an anderen Plätzen einnisten.

Dekorative Elemente gibt es nach wie vor in unserem Garten, aber ich mag nicht mehr viel Zeit dafür aufwenden. Die Motivation, mit Life-Style- oder Trend-Gärten aus Magazinen und Blogs mitzuhalten, kam mir zu einhundert Prozent abhanden. Für mich bedeutet Gärntern nicht, auf jedem Tischchen im Garten stets einen frischen Strauß Blumen zu stellen oder alles mit jahreszeitlichen Elementen zu dekorieren. Ich will in unserem Garten einfach leben. Ich will ihn genießen. Er soll unseren Bedürfnissen gerecht werden. Und so hat sich der Garten verändert und die Lust am Bloggen ist gesunken. Denn all die schönen Bildchen von „Gartensituationen“ mit lauter Deko-Elementen darauf, die dann in den Kommentaren mit unzähligen “Wow”’s bedacht werden, haben einfach mit dem, was ich unter Gärtnern verstehe, rein gar nichts zu tun. Und, ganz ehrlich, ich blogge auch nicht, um möglichst viel Kommentare zu bekommen, sondern weil ich einfach Lust am Reflektieren und Schreiben habe. Was nicht heißt, dass ich mich nicht über jeden einzelnen Kommentar freue, wenn ich merke, dass er wirklich Bezug auf das nimmt, was ich geschrieben habe – und nicht nur hinterlassen wurde, damit ich einen “Gegenbesuch” auf dem anderen Blog mache.

Bachlauf im Wachsen und Werden-Garten

Nachdem ich in den letzten zwei Jahren die meiste Zeit für die Betreuung von Flüchtlingen – und die allermeiste Zeit und Energie für „meine“ vier Jungs – aufgewendet habe, hatte ich einfach keinen freien Kopf, wenig Zeit und auch Lust zum Bloggen. Die Welt ist verrückt geworden in dieser Zeit, die Politik ist grauenhaft und beängstigend. Aber der Garten lief weiter. Einige neue Projekte wurden umgesetzt. Wir haben viel geerntet. Aber die Prioritäten lagen auf den Menschen, um die ich mich gekümmert habe und noch immer kümmere. „Meine“ Jungs sind zum Teil flügge geworden, es gab und gibt wunderbare Momente und auch wahnsinnig traurige. Meine Zeit und Energie kann und will ich nun wieder verstärkt auf’s Schreiben richten, denn es hat mir gefehlt. Aber ich glaube, es wird – wieder einmal – eine etwas andere Art des Bloggens daraus erwachsen. Die Prioritäten haben sich verschoben, im Leben, im Garten und auch in dem, was ich mit-teilen will.

Also, liebe neue und alte GartenfreundInnen, BloggerInnen, LeserInnen: Ich hoffe, ihr schaut mir nun hin und wieder beim Gärtnern über die Schulter. Ich freue mich auf eure Besuche, Kommentare und auf den Gedankenaustausch mit euch!