Category Archives: Pflanzen

Wildes Ernten

In diesem Jahr geht es uns wirklich gut. Den ganzen Winter über konnte ich Salate und Kohl aus dem Garten ernten und schon bald im Jahr beschenkte uns die Natur mit ihren Gaben. Das erste, das ich alljährlich in der Au suche, ist wilder Lauch, wenn er gerade aus dem Boden kommt, noch ganz zart im Geschmack. Dann folgt die Bärlauchsaison, es gibt Bärlauchrisotto, Bärlauchknödel, Bärlauchgnocchi, Bärlauch in Salaten, auf Brote usw. Aber die Natur bietet noch viel mehr.

Besonders im Frühling liebe ich Wildkräutersalate. Dafür eignen sich sehr viele Kräuter. Ich mag am liebsten eine Mischung aus Vogelmiere, Knoblauchrauke, etwas Giersch, Löwenzahn- und Gänseblümchenblättern. 2015-04-23_03wzWirklich sensationell ist, wieviel Lauch in der Au zu finden ist. Richtig dicke Stangen! Sie schmecken etwas kräftiger als Frühlingszwiebeln. Es gibt mehrere Arten von wildem Lauch, aber ich kenne mich botanisch leider zu wenig aus, um sie benennen zu können.

2015-04-23_02wzZum ersten Mal probiert haben wir heuer Hopfensprossen, früher auch als Hopfenspargel bezeichnet. Zuerst musste ich mal ein Auge dafür bekommen, wo er zu finden ist, der wilde Hopfen. Ist ja nicht ganz einfach, die zarten Triebe im Gebüsch auszumachen. Aber schnell wird man fündig, wenn man erst einmal ein geschultes Auge hat.

2015-04-23_01wz Dort, wo die Hopfensprossen mit den Fingern leicht abzuknipsen sind, ist auch die geeignete Stelle . Bis dorthin sind sie schön zart.

Derzeit ist die Au voll mit wildem Kerbel! Er steht ganz kurz vor der Blüte, also höchste Zeit, ihn zu ernten. Ich liebe Kerbel zu Spargelgerichten. Aber die Spargelsaison beginnt erst, wenn der Kerbel schon am Ende seiner Lebenszeit steht. Also habe ich einen Buschen davon geholt und klein gehackt eingefroren. Im Garten baue ich schon seit Jahren keinen Kerbel mehr an, wieso sollte ich auch!

2015-04-23_04wzDemnächst werde ich wohl wieder Löwenzahngelee machen, in meiner Kindheit einfach Löwenzahnhonig genannt. Und bald beginnt dann schon der Holunder zu blühen, die Blütenansätze sind schon zu sehen, was wieder viele Möglichkeiten eröffnet, zB für Hollerblütensirup oder Holundergelee.

Die Natur ist so großzügig und gibt uns so viel, ohne dass wir uns dafür anstrengen müssen! Wenn ich mal keine Freude mehr am Gärtnern habe oder zu wenig Kraft dafür, kann ich trotzdem weiterhin ernten. Ein schöner Gedanke!

In meiner Kindheit galt meine geliebte Tante als ein wenig sonderbar, weil sie Grünzeug aus Wald und Wiese geerntet und verarbeitet hat. Jetzt scheint es sehr schick zu sein. Zumindest gibt es eine inflationäre Anzahl von Rezepten für alles Mögliche und alle Garten- und Lifestyle-Zeitschriften sind voll mit Tipps zu Wildkräutern. Ich sehe aber nie Leute, die in der Natur etwas ernten. Außer ein paar Frauen mit Kopftüchern manchmal auf einer Wiese. Die haben, so scheint es, einen anderen kulturellen Hintergrund und zählen sicher nicht zu den Leserinnen der In-Lifestyle-Magazine.

Wie haltet ihr es mit der wilden Ernte?

Unökologische Thujen – Nachtrag

Vor ein paar Tagen hatte ich ja im Beitrag Thujen, das gehört sich nicht darüber geschrieben, dass sich in unserem Biogarten ganz böse Geschöpfe befinden: einige als total unökologisch verschriene Thujen.

Nun habe ich doch noch ein Foto gefunden, das einen ganz guten Eindruck zeigt von unseren großen alten Thujen, die die tiefer gelegene Terrasse vor neugierigen Blicken beschützen. 2015-03-10wzSo sehen sie also aus, wenn man vom Eingang in den Hauptteil des Gartens einen Blick nach rechts wirft. Gar nicht so lebensfeindlich, oder?

Thujen, das gehört sich nicht

Na, wer findet das unökologische Gewächs? Die Todsünde in allen Biogärten?2015-03-03_TH05wzGefunden? Es ist natürlich die Smaragdthuje, die sich böse wie sie ist, ganz zentral ins Bild gedrängt hat.

Dass Thujen von Grund auf böse Wesen sind, lebensfeindlich beinahe, das bekommt man in jedem Gartenforum zu hören. Und für jeden naturnah gärtnernden Menschen gehört es sich, diese ökologisch nutzlosen Wesen mit Stumpf und Stiel auszurotten.

Nun ja, ich lege hier ein unfassbares Geständnis ab: Ich mag sie.

Nach dem Winter habe ich wieder angefangen, unsere großen Thujen zu schneiden. Acht riesengroße Smaragdthujen von beachtlichen Ausmaßen. Zwei davon haben wir sogar selber angepflanzt. Sie geben dem Abendsitzplatz einen immergrünen, beruhigenden Rahmen.

2015-03-03_TH04wzAuf obigem Bild sind die beiden Thujen links und rechts von der Bank noch unbeschnitten. Mittlerweile sind durch jährlichen Schnitt schlanke Säulen daraus geworden.

Mit dem Garten haben wir vieles übernommen, das uns nicht gefiel, unter anderem viele Laufmeter “Fichtenhecke” und noch mehr Laufmeter “Thujenhecke”. Beides unter Anführungszeichen, weil aus den ursprünglichen Hecken Wälder von beachtlichen Dimensionen geworden waren. Diese drei bis vier Meter breiten Heckenwälder haben wir entfernen lassen. Der Platzgewinn war enorm!

Aber die sechs genauso alten Smaragdthujen, die unsere kleine, uneinsehbare tieferliegende Sonnenterrasse vor Blicken schützen, haben wir verschont. Ich habe sie schätzen gelernt. Nicht nur als Blickschutz. Sondern auch, weil sie ein beinahe mediterranes Flair versprühen. Sie wirken wie Zypressen, die wir alle aus der Toskana kennen und lieben. Irgendwie passend zu unseren heißen, trockenen Sommern.

2015-03-03_TH02wzSo sehen die Thujen aus, wenn sie gerade beschnitten wurden. Schlank und rank streben sie dem Himmel entgegen. (Nur leider sind sie sehr schlecht zu fotografieren…)

(Nachtrag: Ich bin doch noch fündig geworden und kann ein Foto dieser Thujengruppe zeigen, wie sie sich beim Betreten des Hauptgartens präsentiert.)
2015-03-03_TH03wzDie Vögel hier im Garten lesen sicherlich wenig in Gartenforen und Öko-Zeitschriften. Sie erdreisten sich nämlich alljährlich in diesen lebensfeindlichen grünen Gebilden ihre Nester zu bauen. Und so müssen ganze Vogelgenerationen in diesem schädlichen Umfeld heranwachsen. 2015-03-03_TH01wzBeim Schneiden der Thujenmonster finde ich regelmäßig Beweise wie diese. Mehrere. Jedes Jahr! Ist das nicht unerhört?

Nach dem Buchs (II)

Am Anfang meiner Experimente mit Buchsersatzpflanzen stand Ilex crenata. Kein Wunder, sehen doch die Blätter dieser Ilex-Art den Buchsbaumblättern zum Verwechseln ähnlich. Noch dazu sollen sie gut schnittverträglich sein. Und hier wurden sie überall zu gar nicht so hohen Preisen angeboten.

2013-02-17_4wzIch erstand also zwei Pflanzen von Ilex crenata “Glory Gem” und pflanzte sie an halbschattige Plätze.

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Ilex crenata “Glory Gem”

Ihr Laub war wunderschön, sattes Grün und glänzend. Ich wollte sie eventuell zu kleinen Kugeln formen. Eigentlich. – Sie wuchsen langsam, aber das war mir recht. Groß sollten sie ohnehin nicht werden. Ab dem dritten Jahr jedoch stockte das Wachstum. Im vierten Jahr warfen sie fast ale Blätter ab – und nun stehen die beiden unansehnlichen Gerippe ganz traurig im Garten herum. Ich werde sie wohl im Frühling ausgraben.

Ich hatte ja schon gelesen, dass Ilex crenata keine zu kalkhaltigen Böden verträgt, aber frau hofft ja doch immer, auch gegen jede Vernunft. Vielleicht pflanze ich die beiden in Töpfe mit etwas saurer Erde und versuche, sie wieder hoch zu päppeln, damit ihr eigentlich so schönes immergrünes Erscheinungsbild woanders zur Geltung kommen kann. Als Buchsersatz in unserem Garten ist Ilex crenata leider nicht geeignet.

Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die drei Ilex crenata “Fastigiata”-Pflanzen. Auch diese Sorte hat kleine, eiförmige Blätter in einem schönen, satten Grün, die auch im Winter das Auge erfreuen und soll sehr schnittverträglich sein.

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Ilex crenata “Fastigiata”

“Fastigiata” wächst schmal aufrecht und sehr langsam, was der Sorte auch die Namen “Raketenilex” bzw. “Säulenilex” eingebracht hat. Auch in diesem Fall hat mein “Haben-Wollen” über die Vernunft gesiegt. Um es kurz zu machen: Von den drei Pflanzen lebt heute keine mehr. Leider! Denn diese Sorte hatte es mir mit ihrem schönen Wuchs wirklich angetan.

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Ilex crenata “Fastigiata”

Ganz anders andere Ilex-Arten wie Ilex aquifolium (“Alaska”, “Silver Queen”) und Ilex meserveae (“Blue Angel”, “Blue Prince”): Die scheinen mit dem Boden in unserem Garten halbwegs gut zurecht zu kommen und bereichern mit ihren grünen Blättern das winterliche Erscheinungsbild. Ihr Wuchs ist nicht überwältigend üppig, aber sie scheinen sich eingewähnt zu haben. Allerdings sind diese Großsträucher aufgrund ihrer Größe nicht wirklich als Buchsersatz zu bezeichnen.

Wer einen Garten hat, dessen Boden nicht zu kalkhaltig ist, dem kann ich Ilex crenata als Buchsersatz empfehlen. Kaum eine andere der kursierenden Ersatzpflanzen hat ein so ähnliches Erscheinungsbild.

Ein weiterer Beitrag zu Buchsersatzpflanzen wird folgen.
Der erste Beitrag dazu findet sich hier.

Nach dem Buchs (I)

Schon einige Jahre lang war mir klar, ich würde mich vom Buchs in unserem Garten in absehbarer Zeit verabschieden müssen. Rückten doch beide Gefahren immer näher: Buchsbaumpilz und Buchsbaumzünsler. Und ich wollte keinen beinahe aussichtslosen, teuren und zeitaufwändigen Kampf führen.

So begann ich schon vor einigen Jahren damit, potentielle Ersatzpflanzen auszuprobieren. Einerseits sollten immergrüne Stauden und Sträucher im Winter etwas “Farbe” ins Grau in Braun bringen, andererseits war ich auf der Suche nach Formgebern in und um meine ansonsten recht bunten, wilden Beete.

Eins vorweg: Die eierlegende Wollmilchsau habe ich nicht gefunden. Aber einige Erfahrungen gemacht, die ich gerne (in mehreren Beiträgen) an andere weitergebe.

So sehr ich auch Thujen in Monokulturmanier verabscheue, als immergrüne “Farbtupfer” im Winter sind sie einfach gut einsetzbar. In unserem Garten herrschte bei der Übernahme vor 10 Jahren Thujen- und Fichtenmonokultur. Viele Meter riesige Thujen mussten weichen – abgesehen von sechs ca. zweieinhalb Meter hohen, die ich verschlankt und in Form geschnitten habe. Diese standen auch nicht in Reih und Glied, sondern in schön angeordneten Dreiergruppen. Sie bringen einer tiefergelegenen Sonnenterrasse mit ihrer beinahe zypresssenartigen Erscheinung etwas südländisches Flair. Das mag ich.

Und so pflanzte ich einige Jahre später noch zwei Thujen (Thuja occidentalis “Smaragd”), die ich regelmäßg, so alle ein bis zwei Jahre, schmal kegelförmig in Form schneide. Sie flankieren den Sitzplatz auf der Abendbank.

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Thuja occidentalis “Smaragd” links und rechts von der Bank (die üppigen Rosen verdecken im Mai die rechte Thuja)

Mittlerweile sind die beiden auch so etwa zweieinhalb Meter hoch. Auf dieser Höhe werde ich sie halten.

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Ein Blick aus einer anderen Perspektive auf die beiden Thujen ganz hinten und ihre schmale Säulenform.

Gepflanzt habe ich auch die Thuja occidentalis “Teddy”, einem angeblich kugelrund wachsendem Lebensbaum mit einer “Endhöhe” von ca. 50 cm. Teddy sollte in Form grüner Kugeln und Kegel Grün in winterliche Beete bringen.

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Thuja occidentalis “Teddy”

Einige Jahre haben sich die Pflanzen recht gut gehalten, sind auch mit ein ganz klein wenig Schnitt gut in Form geblieben und bildeten im Winter Grün für das Auge. Das hat mich dazu verführt, noch zwei, drei weitere zu pflanzen.

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Thuja occidentalis “Teddy”

Leider sind sie nach einigen Jahren völlig aus der Form geraten: Obwohl ich die Höhe durch behutsamen Schnitt gehalten habe, sind sie recht wahllos in irgendeine Richtung umgekippt.

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Thuja occidentalis “Teddy” einige Jahre nach der Pflanzung am Ende des Winters

Nun liegen sie als immergrüne Kleckse an den Rändern der Beete. Unschön.

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Auch an anderer Stelle dasselbe Bild: statt einem aufrechten, kleinen Kegel ein unförmiges, gekipptes Etwas in Grün

Ausgraben mag ich sie auch nicht, immerhin liefern sie Grün im Winter. Nur pflanzen würde ich sie nicht mehr.

Wesentlich zufriedener bin ich hingegen mit der Thuja occidentalis “Danica”, einer zwergwüchsigen, kugelförmig und sehr dicht wachsenden Thuje, die ich wirklich empfehlen kann.

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Thuja occidentalis “Danica”

Sie hat sich an verschiedenen Stellen sonnigen Stellen im Garten gut bewährt und lässt sich mit einem einmaligen Schnitt irgendwann im Gartenjahr gut in Form bringen und sehr klein halten. Danica ist als Ersatz für kleinere Buchskugeln durchaus eine gute Alternative.

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Thuja occidentalis “Danica” zwischen Salvia nevadensis

Nach dem Buchsdesaster letzten Sommer wollte ich einige dieser dankbaren Pflanzen kaufen. Leider musste ich feststellen, dass deren Preis enorm gestiegen ist. Als ich die ersten “Testexemplare” vor einigen Jahren erstanden habe, waren sie noch zu einem Spottpreis in Baumärkten erhältlich.

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Thuja occidentalis “Danica”, frisch ge- schnitten, unter einer Harlekinweide

Da ich Buchs auch in Töpfen hatte, wollte ich auch eine Thuje auf ihre Topftauglichkeit hin prüfen. Hierfür wählte ich die Thuja occidentalis “Mr. Bowling Ball” mit ihrem schönen, flachrunden, ballartigen Wuchs. Hiervon habe ich leider kein Foto gefunden, aber er macht sich gut, der Mr. Bowling Ball. Er wirkt etwas zerzaust und die Spitzen verfärben sich im Winter in Richtung Bronze. Aber schon seit Jahren lebt er so vor sich hin und lässt es sich trotz wenig Gießen und spärlich Dünger gut gehen. Auch im Winter bleibt er einfach draußen in seinem ungeschützten Topf. Fazit: Sehr zufrieden.

Die Thujen in unserem Garten sind alle frei stehend und werden regelmäßig als Säulen, Kugeln oder Kegel in Form geschnitten. Statt einiger ca. ein Meter hoher Buchskegel habe ich nun im Spätsommer aufgrund der guten Erfahrungen der letzten Jahre auch Smaragdthujen gepflanzt. Aus ihnen sollen im Lauf der Zeit schön geformte Kegel entstehen, die die gerodeten Buchse ablösen. An den Smaragdthujen und den Danicas reicht ein Schnitt einmal pro Jahr, um sie in Form zu halten. Das ist nicht mehr Aufwand als beim Buchs.

Aber keine Sorge, eine neue Thujenmonokultur wird hier nicht Einzug halten. Ich habe noch viele andere Buchs-Ersatzpflanzen ausprobiert. Dazu mehr in einem der nächsten Beiträge.

Hier geht’s zum zweiten Beitrag über Buchsersatzpflanzen.

Nachtrag zum großen Buchsfressen

Nachgeschoben und als Reaktion auf einige Kommentare zum letzten Beitrag ein paar Informationen, Gedanken und Beobachtungen:

Der Buchsbaumzünsler ist eine aus Ostasien eingschleppte Falterart. Die Falter sind weiß mit dunkel gerandeten Flügeln, sehr hübsch anzusehen und wirken durchscheinend, elegant – eigentlich wunderschöne Tiere. Ihr Leben als Falter ist recht kurz, im Schnitt wohl 7 – 10 Tage. In dieser Zeit legen sie ihre Eier im Innneren von Buchsbäumen ab, wo sich die kleinen, gefräßigen Raupen mehrmals verpuppen und heranwachsen. Dabei fressen sie die Wirtspflanzen völlig kahl. Sind keine Blätter mehr vorhanden, fressen sie auch noch die Rinde der Stängel ab. In einer Gartensaison schlüpfen so bis zu vier Generationen Zünsler. Die kahlgefressenen Buchsbäume treiben oft wieder aus und erholen sich ein wenig, bis die nächste Generation der Raupen sich wieder ans Fressen macht. Kein schöner Anblick!

2013-01-08wzBei uns lebt der Buchsbaumzünsler ausschließlich in und von Buchsbäumen. Angeblich frisst er in seiner Herkunftsregion auch Euonymus-Arten. Das konnte ich zum Glück in unserem Garten (noch?) nicht beobachten.

Keinen Unterschied gab es im Befall regelmäßig geschnittener und gänzlich frei wachsender Buchse. Sowohl die regelmäßig in Form gebrachten dichten Kugeln und Hecken als auch die ungeschnittenen, recht lichten großen Sträucher wurden gleichermaßen befallen und abgefressen. Die Mär also, dass die Buchbaumzünsler vor allem die dichten Buchsbäume befallen, kann ich nicht bestätigen.
Ebenso hat er alle Arten, die ich hatte, gleich geliebt. Auch die panschierten.

Die Frage nach den natürlichen Feinden ist rasch beantwortet: Er hat bei uns keine. (Wie das in seiner Heimat ist, weiß ich nicht.) In unserem Garten, in dem es ganzjährig von Vögeln verschiedenster Art nur so wimmelt, konnte ich nicht beobachten, dass sich diese an den Buchsbäumen zu schaffen gemacht hätten. Wer nachforscht, wird ganz schnell überall die Aussage finden: “Eine Dezimierung der Raupen durch Vögel findet nicht statt.” (Wikipedia)

Blieben als Mittel der Bekämpfung noch Absammeln der Raupen und regelmäßiges Spritzen. Ersteres wollte ich mir nicht antun. Wer einmal ins Innere eines befallenen Buchsbaumes geblickt hat, weiß warum: Dort wimmelt es nur so von Raupen in unterschiedlichen Größen. Bliebe noch Spritzen. Und das regelmäßig. Denn pro Gartenjahr muss man mit mehreren Generationen des Zünslers rechnen. Das will ich aus verschiedenen Gründen nicht: Massiver Chemieeinsatz kommt einfach nicht in Frage in unserem biologisch bewirtschafteten Garten und alle “sanften” Mittel, von denen ich gelesen habe, sind erst im Versuchsstadium und erfordern ebenfalls mehrmals pro Saison eine Anwendung und/oder gehen ganz schön ins Geld. Und ich weiß mit meiner Zeit – und auch dem Geld – bestimmt Besseres anzufangen, als für die Schönheit der Buchsbäume Sorge zu tragen. Zudem müsste die gesamte weiträumige Umgebung ebenfalls den Zünsler bekämpfen, um ihn effektiv in Schach zu halten. Darauf kann und will ich mich sicher nicht verlassen.

So kam es ohne großes Nachdenken recht schnell zum großen Schritt: Alle Buchse raus. Natürlich ging das nicht emotionslos. Aber die jahrelange Erwartung des Übels war eine gute Vorbereitung auf diesen Schritt.

Auf Struktur und Grün, vor allem im Winter, will ich aber nicht verzichten. Deshalb hatte ich ja in den letzten Jahren schon einige immergrüne mögliche Ersatzpflanzen getestet und im Garten gepflanzt. Buchsbäume pflanze ich schon nicht mehr, seit ich vor einigen Jahren vom Aufkommen des Buchsbaumpilzes zum ersten Mal gelesen habe. Ab diesem Zeitpunkt habe ich überall, wo ich gerne einen immergrünen Strukturgeber sehen wollte, andere Sträucher und Stauden gepflanzt. Aber in den ersten Jahren, als ich den Garten angelegt habe, war weder vom Buchsbaumpilz noch vom Buchsbaumzünsler die Rede – leider. Sonst hätte ich mir viel Arbeit ersparen können und wäre gleich auf andere Immergrüne ausgewichen. Was ich übrigens allen, die einen Garten anlegen, empfehlen möchte.

In einem der nächsten Beiträge werde ich, wie versprochen, einiges über die Buchsersatzpflanzen berichten, die ich ausprobiert habe.

Das große Fressen oder Abschied vom Buchs

In wie vielen Blogs gab es schon diesen Titel in den letzten Jahren? In viel zu vielen.

2013-01-07_01wzLetztes Jahr war es auch hier so weit: Der Buchsbaumzünsler, der sich in den letzten Jahren langsam unserer Region genähert hat, ist angekommen. Und wie. Im Osten von Wien und hier bei uns im Ort konnte man dem großen Fressen zuschauen. Frische, grüne Buchshecken und -kugeln waren innerhalb von drei Tagen kahlgefressen.

2013-01-07_02wzUnseren Garten hat es natürlich ganz genauso erwischt, zumal wir keine Chemie anwenden wollen (wie so viele andere hier) und das Absammeln dieser Mengen an Raupen und Buchspflanzen eine wahre Sisyphosarbeit wäre. Die Vorstellung, dass schon im Nu die nächste Generation der gefräßigen Raupen heranwachsen würde, machte die Entscheidung leicht: Ratzfatz raus mit dem Buchs.
Ich hatte mich ja in den letzten Jahren angesichts des Buchsbaumpilzes und des -zünslers innerlich darauf vorbereitet. Somit traf es mich nicht ganz so hart.

Wer unseren Garten oder Bilder davon kennt, wird sich vielleicht fragen, wo es denn hier gar so viel Buchs gegeben hat? Überall! Nur meist so eingesetzt, dass er in der “grünen” Jahreszeit nicht so ins Auge fiel:

In Beete integriert.2013-01-07_05wz

Vor Holzzäunen, wo Buchse im Winter etwas Grün für das Auge geliefert haben.2013-01-07_06wz

An den vielen Mauern und Betonelementen im Garten, einem Relikt der 70er-Jahre, um den sonst trostlosen Anblick im Winter abzufangen oder als Abschlusspunkt in Beeten.2013-01-07_07wz

Als Trennelement, um verschiedene Gartenbereiche immergrün abzuschirmen. Wie hier am Foto hinter der linken Liege am Teich der fast zwei Meter hohe, frei wachsende Buchs.2013-01-07_03wz

Ebenso zu finden war er als Beetumrandung, um Rasenkantensteine zu kaschieren oder in Form kleiner Kugeln als immergrüner Wegbegleiter in andere Gartenbereiche. Viele Buchskugeln waren unter Laub abwerfenden Sträuchern, kamen also erst im späten Herbst zur Geltung und verliehen dem Garten auch in der blattlosen Zeit Struktur.2013-01-07_04wz

So richtig leid ist mir um zwei alte Buchse, über zwei Meter hoch und sehr breit, und die große Kugel am Hausaufgang, die erste, damals noch winzige Pflanze, die wir beim Einzug gepflanzt haben.

In zwei Durchgängen haben wir Ende des Sommers fast alle Buchse radikal entfernt und entsorgt. Jetzt im Winter nach dem Blattfall sind wieder ein paar zum Vorschein gekommen, die noch weg müssen. Dann ist es getan.

Ein paar Zäunchen und einige der größeren Kugeln sind mittlerweile ersetzt durch andere Pflanzen. Denn in den letzten drei, vier Jahren, in denen ich das große Fressen schon kommen sah, habe ich einiges an Buchsersatz hier im Garten getestet. Mit recht unterschiedlichen Resultaten. Von diesen Erfahrungen kann ich jetzt profitieren. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag!

Mit Warp 9 durch die Gartengalaxie

Mai ist der Monat, in dem sich die Zeit irgendwie selber überholt. Man wird das Gefühl nicht los, mit Warp 9 durch den Frühling zu rasen.

Alles sprengt seine Grenzen und dringt in unbekannte Gefilde vor – Licht, Luft, Sonne!

2011-05-14_01wzKaum sind die herrlich üppigen Blüten der Strauchpfingstrosen offen, kommt bestimmt irgendein Regenguss mit einer kräftigen Böe und nimmt die Blütenblätter weit mit sich fort.

2011-05-14_02wzDoch: Keine Zeit zum Nachtrauern. Das Staunen geht weiter. Wie Wesen von einem fremden Stern erscheinen mir manchmal die großen Blütenkugeln des Allium. Eines drängt sich an das nächste und starrt einen förmlich an.

2011-05-14_03wzIn unterschiedlichem Gewand treten die Rosen in Erscheinung. Mal ganz pompös, wie hier die Rugosa-Rose “Rotes Meer”.

2011-05-14_04wzOder ganz schlicht, wie die “Pillnitzer Vitaminrose”.

2011-05-14_11wzJeden Tag öffnen sich neue Rosenblüten. Rasant geht das.
Mich beschleicht manchmal das Gefühl, sie machen das absichtlich: Kaum biege ich mit der Kamera um die nächste Ecke, öffnet sich hinter mir schon die nächste Blüte und zwingt mich, zurückzugehen. Denn ich muss in alle meine Nase stecken… Frau weiß ja nie, wo das nächste Duftabenteuer wartet.

Zur selben Zeit beginnen die großblütigen Clematis ihre Blütenteller zu entfalten, riesige Landeplätze für so manches fremdartig anmutende Flügelwesen.

2011-05-14_05wzBei all dem Treiben übersieht man beinahe, dass die Iris schon einige Beete erobert haben mit ihren stolz in die Höhe gereckten Köpfen.
Gar mancher Mutant ist darunter, wie bei dieser Veilchenwurz, die frech ihre blau angelaufene Mutantenzunge in die Forscherkamera streckt. – Was ist geschehen? Letztes Jahr waren doch noch alle Bewohner hier weiß? Eine Infiltration?

2011-05-14_08wzAuch andere Wesen in den Weiten des Gartens kämpfen mit Unbill. Die alte Pappel lässt Samen schneien und hüllt die zarten Akeleien in weiße Pelze. Und das bei dieser Hitze! Wahrscheinlich überlegen sich die zickigen Damen schon, auf welchen Planeten sie vor dem nächsten Frühling Flüge buchen.

2011-05-14_06wzSie steht über all dem drüber: die Götterblume.
Unbeeindruckt von Regengüssen, Sturmböen und Pappelschnee erkundet sie mit ihren ein wenig an Antennen erinnernden Köpfen alle Richtungen und wartet auf Signale.

2011-05-14_07wzViel weniger kapriziös sind da schon die Blüten der Taybeere. Geradezu gelassen warten sie auf die nächste Landung der gelb-schwarz-gestreiften Flugobjekte, die den ganzen Tag auf ihnen zugange sind.

2011-05-14_10wzUnd wenn man nach diesem Warp 9-Flug durch einen Spiralarm der Gartengalaxie etwas Erholung benötigt, kann man sich einfach in die Mitte des Chenopodium giganteum, des Baumspinats, versenken und ein wenig meditieren.

2011-05-14_09wzAber schnell.
Morgen sieht sie schon wieder ein wenig anders aus.

Berberitzenblüte – Schönheit im Verborgenen

Die Schönheit liegt sehr oft im Kleinen, eher Verborgenen.

2011-05-04_01wzBerberitzen sind für viele oft nur stachelige Begrenzung. Ich liebe sie wegen der Vielfalt ihrer Blattfärbung und auch wegen ihrer zierlichen Blüten.

2011-05-04_03wzSie protzen nicht, wie Rosen es oft tun – oder die riesigen Blüten der Strauchpfingstrosen derzeit.

2011-05-04_02wzSie halten sich im Hintergrund.

2011-05-04_04wzOffenbaren ihre Schönheit nur bei genauer Betrachtung.

2011-05-04_05wzAuch das lehrt ein Garten: Zeit nehmen, verweilen, genau hinsehen.

Blühen wird nicht belohnt

Ungerecht ist die Welt.
Unsere Kiwi, die wir vor sieben Jahren in den Garten gepflanzt haben, dient nun in einigen Beeten als Mulch.
Sie hat neben den Wurzen den Zaun zum Nachbargrundstück behübscht. 2008 haben wir für sie extra eine Pergola gebaut, damit sie genug Platz hat, sich zu entfalten.
Wunderschön hat sie geblüht. Ihre großen, weich behaarten Blätter haben im Sommer Schatten gespendet.

2011-04-30_03wzGern bin ich in der Kiwilaube gesessen und habe dem Plätschern der Zisterne gelauscht, mit einem guten Buch in der Hand oder einfach nur meinen Gedanken nachhängend.

2011-04-30_04wzSo sah es noch vor drei Tagen aus.

2011-04-30_02wzUnd so heute.

2011-04-30_01wz“Jenny” ist nicht mehr. Sie war eine selbstfruchtende Sorte, die keinen männlichen Bestäuber benötigt. Angeblich. Leider war ich vor sieben Jahren noch nicht ganz so bewandert in Sachen Pflanzen und fand es ungeheuer praktisch, nur eine Kiwi pflanzen zu müssen. Heute erkenne ich darin eine Verkaufsmasche, mehr nicht.
Nun also ist “Jenny” durch den Häcksler gegangen und zu Mulch geworden.
Wir sind gierig und wollen schließlich auch Früchte ernten. Möglichst viele.
“Purpurna Sadowa”, eine glatte, rotschalige und rotfleischige Kiwi, und eine männliche Befruchtersorte sind eingezogen.
Ganz kahl sieht es jetzt hier aus. Trostlos irgendwie, genau so wie das Regenwetter.