Prioritäten

Ein Garten ist stete Veränderung. Ein Gartenblog daher auch.

Als ich mit dem Gärtnern anfing, war mir von Anfang an auch das Gemüsegärtnern ein sehr wichtiges Anliegen. Ich stöberte in einigen Gartenforen und durch deren Einfluss glaubte ich, ich dürfe mich nur dann Gärtnerin nennen, wenn ich eine umfassende Pflanzenexpertin wäre. Von allen Arten, die ich liebe, müsse man gleich ein Dutzend unterschiedliche haben und diese auch noch mit lateinischem Namen kennen. Also war ich wie so viele andere auf der Jagd nach Besonderheiten – nach der fünfundzwanzigsten Hosta und der achtundsiebzigsten Rose oder dem vierzehntem Geranium. Gartenbesucher konnten mich nach allen lateinischen Pflanzennamen und der Herkunft der Gartenbewohner fragen, die Antwort kam umgehend. Mit der Zeit wurde das ganz schön stressig und die Sinnfrage stellte sich mir. Was für ein absurder Wettbewerb in den Foren und Blogs! Pflanzen, die nur mit viel Zureden und Gehätschelt-Werden jedes Jahr wieder wuchsen, fand ich zunehmend lästig. Die Schilder mit den lateinischen Namen entfernte ich aus den Beeten und ich begann praktischer an die Sache heranzugehen. Und entspannter! Was nicht gedeihen wollte, wurde nicht mehr nachgekauft. Was gut gedieh, durfte sich aussamen und nach Belieben auch an anderen Plätzen einnisten.

Dekorative Elemente gibt es nach wie vor in unserem Garten, aber ich mag nicht mehr viel Zeit dafür aufwenden. Die Motivation, mit Life-Style- oder Trend-Gärten aus Magazinen und Blogs mitzuhalten, kam mir zu einhundert Prozent abhanden. Für mich bedeutet Gärntern nicht, auf jedem Tischchen im Garten stets einen frischen Strauß Blumen zu stellen oder alles mit jahreszeitlichen Elementen zu dekorieren. Ich will in unserem Garten einfach leben. Ich will ihn genießen. Er soll unseren Bedürfnissen gerecht werden. Und so hat sich der Garten verändert und die Lust am Bloggen ist gesunken. Denn all die schönen Bildchen von „Gartensituationen“ mit lauter Deko-Elementen darauf, die dann in den Kommentaren mit unzähligen “Wow”’s bedacht werden, haben einfach mit dem, was ich unter Gärtnern verstehe, rein gar nichts zu tun. Und, ganz ehrlich, ich blogge auch nicht, um möglichst viel Kommentare zu bekommen, sondern weil ich einfach Lust am Reflektieren und Schreiben habe. Was nicht heißt, dass ich mich nicht über jeden einzelnen Kommentar freue, wenn ich merke, dass er wirklich Bezug auf das nimmt, was ich geschrieben habe – und nicht nur hinterlassen wurde, damit ich einen “Gegenbesuch” auf dem anderen Blog mache.

Bachlauf im Wachsen und Werden-Garten

Nachdem ich in den letzten zwei Jahren die meiste Zeit für die Betreuung von Flüchtlingen – und die allermeiste Zeit und Energie für „meine“ vier Jungs – aufgewendet habe, hatte ich einfach keinen freien Kopf, wenig Zeit und auch Lust zum Bloggen. Die Welt ist verrückt geworden in dieser Zeit, die Politik ist grauenhaft und beängstigend. Aber der Garten lief weiter. Einige neue Projekte wurden umgesetzt. Wir haben viel geerntet. Aber die Prioritäten lagen auf den Menschen, um die ich mich gekümmert habe und noch immer kümmere. „Meine“ Jungs sind zum Teil flügge geworden, es gab und gibt wunderbare Momente und auch wahnsinnig traurige. Meine Zeit und Energie kann und will ich nun wieder verstärkt auf’s Schreiben richten, denn es hat mir gefehlt. Aber ich glaube, es wird – wieder einmal – eine etwas andere Art des Bloggens daraus erwachsen. Die Prioritäten haben sich verschoben, im Leben, im Garten und auch in dem, was ich mit-teilen will.

Also, liebe neue und alte GartenfreundInnen, BloggerInnen, LeserInnen: Ich hoffe, ihr schaut mir nun hin und wieder beim Gärtnern über die Schulter. Ich freue mich auf eure Besuche, Kommentare und auf den Gedankenaustausch mit euch!

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